Personalnot in Berlin : Fast 1000 Polizisten sind zu krank für den Dienst

Neue Zahlen der Innenverwaltung: 935 der rund 16.000 Berliner Polizisten fallen wegen gesundheitlicher Probleme ganz oder teilweise aus. Auch viele Feuerwehrleute sind dauerkrank. Über die Ursachen kann nur spekuliert werden.

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Wegen gesundheitlicher Probleme fallen in Berlin fast 1000 Polizisten ganz oder teilweise aus.
Wegen gesundheitlicher Probleme fallen in Berlin fast 1000 Polizisten ganz oder teilweise aus.Foto: dpa

Von den etwa 16 000 Berliner Polizisten können 935 wegen gesundheitlicher Probleme ihren Dienst nur eingeschränkt oder gar nicht versehen. Laut einer Auskunft der Innenverwaltung an den SPD-Abgeordneten Tom Schreiber sind 253 Polizisten dauerhaft nur eingeschränkt oder überhaupt nicht dienstfähig. Bei weiteren 125 werde das geprüft, 557 seien zumindest vorübergehend betroffen. Bei der Feuerwehr mit knapp 3600 hauptberuflich Beschäftigten seien 105 Beamte dauerhaft dienstunfähig und 476 Mitarbeiter nur eingeschränkt einsetzbar.

Immer mehr Polizisten sind traumatisiert

Inwieweit bei den Dauerkranken Traumatisierungen durch emotionale Belastung im Dienst eine Rolle spielen, ist laut Innenverwaltung statistisch nicht erfasst. Zugleich heißt es: „Nach Einschätzung des Polizeiärztlichen Dienstes haben Traumatisierungen in den letzten Jahren allerdings an Intensität zugenommen.“

Sicherheitsexperte Schreiber, der die Anfrage gestellt hatte, kritisiert die Diskrepanz zwischen subjektiver Einschätzung und fehlender statistischer Erfassung. Die Ursachenforschung müsse verstärkt werden. „Wenn 1000 Beamte dienstunfähig sind, kann man das nicht nur verwalten.“ Laut Innenverwaltung gibt es beim Polizeiärztlichen Dienst seit 1988 eine Sozialberatung. Die Feuerwehr verfüge über ein „Einsatznachsorgeteam“ aus speziell geschulten Mitarbeitern und Seelsorgern.

Polizisten und Feuerwehrleute schieben eine Überstunde nach der anderen

Sowohl Feuerwehrleute als auch viele Polizisten sind bei ihrer Arbeit immer wieder mit grauenhaften Situationen konfrontiert. Zudem schieben sie einen Berg an Überstunden vor sich her, der bei der Polizei allerdings leicht gesunken ist – auf 936 000 Stunden zum Ende des ersten Quartals 2014. Bei der Feuerwehr waren es 328 000 Überstunden. Die Zahl der Überstunden wird laut Innenverwaltung zwar nach Möglichkeit gering gehalten, aber das sei „vor dem Hintergrund steigender Anforderungen mit Bezug zum Einsatzgeschehen eine Herausforderung“. Für SPD-Mann Schreiber dokumentiert die Auskunft einen „Teufelskreis“: Durch den belastenden Dienst seien rund 1000 Mitarbeiter ausgefallen, so dass die anderen umso mehr arbeiten müssten, was wiederum ihr Risiko erhöhe.



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