Personelle Konsequenzen : SPD: Weitere S-Bahnchefs sollen gehen

Als Konsequenz aus dem Desaster bei der Berliner S-Bahn hat die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus weitere Entlassungen von Verantwortlichen gefordert. Die Sozialdemokraten fordern außerdem ein Ende der "unrealistischen Sparvorgaben und Gewinnerwartungen" an die S-Bahn.

BerlinAuch der derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende des DB-Tochterunternehmens, Hermann Graf von der Schulenburg, sowie der langjährige Technik-Geschäftsführer bei der S-Bahn, Ulrich Thon, müssten ihren Hut nehmen. Beide hätten den von der Deutschen Bahn geforderten radikalen Sparkurs, „der ins Chaos führte“, eingefordert und umgesetzt, schreibt die SPD. Zugleich fordern die Sozialdemokraten ein Ende der „unrealistischen Sparvorgaben und Gewinnerwartungen“ an die S-Bahn und setzen sich dafür ein, dass auch kommunale Vertreter einen Platz im S-Bahnaufsichtsrat bekommen.

Die S-Bahnen kommen zwar wieder in Fahrt, deshalb dürften sich aber die Schuldigen an den Ausfällen nicht in Sicherheit wiegen, sagte gestern der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Christian Gaebler. Die bisherige Entlassung aller vier früheren S-Bahn-Geschäftsführer durch den DB-Vorstand reiche nicht aus. Auch Graf von der Schulenburg und Ulrich Thon hätten vor der Misere „alle Warnungen abgewiegelt“.

Urich Thon hat vor kurzem innerhalb des Bahnkonzerns den Job gewechselt. Er arbeitet jetzt als DB-Regio-Manager in der Frankfurter Bahnzentrale. Hermann Graf von der Schulenburg nimmt neben seinem Aufsichtsratsposten bei der S-Bahn eine weitere Spitzenposition bei der DB wahr: Er ist seit 2006 Geschäftsführer der DB Stadtverkehr GmbH. Zu dieser gehören 22 Busgesellschaften sowie die S-Bahnen Berlin und Hamburg.

Aus SPD-Sicht vertrat er im S-Bahn-Aufsichtsrat deshalb konsequent die Sparinteressen der Bahn. Umso wichtiger sei es, „dass künftig auch unabhängige Vertreter von Berlin und Brandenburg in diesem Gremium sitzen“. Das ist bisher nicht der Fall, weil die S-Bahn Berlin eine hundertprozentige Tochter des privatrechtlich organisierten Staatsunternehmens Deutsche Bahn AG ist.

Bei einem Privatunternehmen habe die Öffentlichkeit ja keinen Anspruch auf Vertreter im Aufsichtsrat, sagt SPD-Mann Gaebler. Die S-Bahn sei aber ein Sonderfall, da sie jährlich millionenschwere Zuschüsse von Berlin erhalte. „Das rechtfertigt unsere Kontrollansprüche.“ Die Deutsche Bahn wollte sich gestern zu den SPD-Forderungen nicht äußern. cs

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