Berlin : Perspektive: Sicherungsverwahrung

Mutmaßlicher Brandstifter und Vergewaltiger legte ein Geständnis ab

Marc Neller

Geschützt hinter Glas sitzt der kräftige Mann im Saal 701 des Berliner Landgerichts. Dritter Zeuge ist die letzte Lebensgefährtin des Angeklagten. Sie versucht ein Bild zu entwerfen, was für ein Mensch Josef Platz (Name geändert), 51 Jahre alt, ist. Zurückhaltend, sagt sie, höflich.

Die Staatsanwaltschaft hat ein anderes Bild. Sie hat Platz wegen Brandstiftung, schweren Raubes und Vergewaltigung angeklagt. Paul Eisermann, der Strafverteidiger, leitet diesen ersten Prozesstag am Dienstag mit einer verlesenen Erklärung ein: Platz gestehe. Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft seien zutreffend.

Wie berichtet soll der Gelegenheitsarbeiter in der Nacht auf den 29. Juli dieses Jahres eine Gaststätte im brandenburgischen Mahlow abgebrannt haben und noch in derselben Nacht in das Haus der Wirtin eingebrochen sein – zum zweiten Mal binnen vier Tagen. Er soll dabei Schmuck, einen Computer und anschließend ihr Auto mitgenommen haben. Am 2. August 2005, kurz nach dem Brand, soll Platz in Neukölln in das Haus seines ehemaligen Chefs eingebrochen sein und dessen 17-Jährige Tochter vergewaltigt haben. Zudem soll er Gold- und Silberschmuck im Wert von rund 11 000 Euro und ein Auto geraubt haben. Beide Fälle werden nun in einem Prozess verhandelt.

Die 17. Strafkammer hatte zunächst vier Verhandlungstage angesetzt. Aber die wird sie nicht beanspruchen. Sie will im Anschluss an die zweite Verhandlung am morgigen Donnerstag das Urteil sprechen. Vieles deutet auf eine Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung hin. Das werden die Staatsanwältin und die Anwältin der vergewaltigten Schülerin, die als Nebenklägerin auftritt, fordern. Zudem sagte Verteidiger Eisermann gestern am Rande des Prozesses: „Die wahrscheinliche Perspektive für meinen Mandanten ist Sicherungsverwahrung. Es gibt nichts, das man ihm zu Gute halten könnte.“

Sicherungsverwahrung bedeutet im Wortsinn lebenslänglich. Ein Gericht kann dies verhängen, um die Bürger vor gefährlichen Straftätern zu schützen. Platz ist einschlägig vorbestraft. Die Brandstiftung in Mahlow hat eine Vorgeschichte. Vor zehn Jahren hatte er die Wirtin des Mahlower Cafés vergewaltigt und dafür acht Jahre in Haft gesessen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam, die im Fall der Brandstiftung in Mahlow ermittelte, ging deshalb von einem Racheakt aus. Warum er bei seinem Ex-Chef einbrach, ist ungeklärt. Der Prozess sollte am 6. Dezember beginnen. Doch am Morgen des Prozessbeginns schnitt sich Platz in der Anstalt die Pulsadern auf.

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