Berlin : Pet Shop Boys und Tango

Das Museumsinselfestival startet mit Film, Musik und Tanz an drei Orten: Vor der Nationalgalerie, im Kulturforum und in Dahlem

Christian Böhm

Bis morgen muss es Sommer sein, denn er ist im Festivalkalender der Stadt vorgemerkt. Dann beginnt das sechste Museumsinselfestival – mit Konzerten, Kino und Theater unter freiem Himmel. Erwartet werden wieder mehr als 150 000 Zuschauer.

Bereits am heutigen Donnerstagabend werden im Kolonnadenhof vor der Alten Nationalgalerie bei freiem Eintritt zehn Kurzfilme gezeigt: als öffentliche Generalprobe für das Sommerkino. Auftakt des Museumsinselfestivals ist aber der Freitag, an dem bereits alles geboten wird, was diesen Festival-Sommer auszeichnet. Ab 20 Uhr spielt die Gruppe „Sapucaiu no Samba“. Es sind Trommler, Tänzer und Stelzenläufer, die in farbenprächtigen Kostümen auftreten. Mehrfach haben sie auf dem Karneval der Kulturen Preise erhalten, und auch in diesem Jahr sind sie wieder mit von der Partie. Ab 21.30 Uhr wird der Defa-Kultfilm „Heißer Sommer“ aus dem Jahr 1967 mit den Schlagerstars Frank Schöbel und Chris Doerk gezeigt.

Beinahe täglich werden dann im Sommerkino auf der Museumsinsel und im Freiluftkino Museen Dahlem Filme aus aller Welt gezeigt. Während des orientalischen Festes „Odyssee 2005: Damascus-Cordoba“ versprechen die Organisatoren des Sommerkinos, durch Duft-, Licht- und Klanginstallationen die passende Atmosphäre zum Film zu zaubern.

Der Eröffnungsabend am kommenden Freitag klingt dann ab Mitternacht mit Tango aus. Diese Tangonächte in den bunt ausgeleuchteten Kolonnaden gehörten schon im vergangenen Jahr zu den besonders beliebten Festival-Veranstaltungen, bei denen bis in den frühen Morgen getanzt wird. In diesem Jahr wird neben dem klassischen argentinischen Tango auch jiddischer oder russischer Tango zu hören sein – jeweils nach einem passenden Film.

Über den Sommer sind außerdem eine Reihe bemerkenswerter Konzerte geplant. Dazu zählt das Konzert mit einer Neuvertonung der Carmina Burana. Bekannt wurde diese mittelalterliche Textsammlung durch die Fassung von Carl Orff. Die Berliner Spielmannsgruppe Corvus Corax hat jetzt eine neue Musik geschrieben. Auf Chöre und Orchester verzichtet auch Corvus Corax nicht, dazu werden Dudelsäcke und Trommeln zu hören sein - die Musiker wollen etwas von dem prallen Leben vermitteln, von dem auch die derb-sinnlichen Texte der Carmina Burana erzählen.

Auch die Pet Shop Boys haben sich auf ein musikalisch ausgefallenes Projekt eingelassen. Gemeinsam mit den Dresdner Sinfonikern spielen sie live zu Sergej Eisensteins Stummfilmklassiker „Panzerkreuzer Potemkin“. Zur Premiere dieser Auftragskomposition des Londoner Institute of Contemporary Arts kamen im vorigen September 25 000 Zuhörer auf den Londoner Trafalgar Square.

Und noch eine Band der 80er Jahre spielt in diesem Sommer im Kolonnadenhof vor der Alten Nationalgalerie: Duran Duran. Auf deren letzter Auftritt im vergangenen Oktober haben die Berliner gut 20 Jahre warten müssen. Für jenes Konzert in der Columbia-Halle wurden die vier so heftig gefeiert, dass sie die Tour zu ihrer neuen CD in Berlin beginnen.

Weltmusik ist ein weiterer Schwerpunkt im Programm des Museumsinselfestivals. Die Reihe „Heimatklänge: Copa Cabana“ präsentiert in diesem Jahr auf dem Kulturforum am Potsdamer Platz die Musikszene aus den großen Fußballnationen Süd- und Mittelamerikas. Sechs Bands sind eingeladen, jede Band spielt fünf Tage auf dem Kulturforum.

Alle geräuschvolleren Veranstaltungen sind in diesem Jahr ans Kulturforum verlegt worden, nachdem sich beim vergangenen Museumsinselfestival Anwohner über laute Musik beschwert hatten. Wer spontan einen Abend planen möchte, sollte sich nach der Faustformel richten, die der Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, Peter-Klaus Schuster, nannte: Auf der Museumsinsel wird es klassisch-romantisch, am Kulturforum lauter. Und in Dahlem erklingt Weltmusik, die direkt aus Berlin stammt.

Das Festival-Programm im Internet:

www.museumsinselfestival.info

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