Pete Doherty : Jailhouse Rock

Peter Doherty schuldet der Justizkasse 30 000 Euro In dieser Woche tritt er auf – und muss zahlen, sonst...

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Er kann auch spielen. Für die Kreuzberger Entgleisung nach einem Berlin-Konzert 2009 wurde Peter Doherty zur Kasse gebeten. Gezahlt hat er noch nicht.
Er kann auch spielen. Für die Kreuzberger Entgleisung nach einem Berlin-Konzert 2009 wurde Peter Doherty zur Kasse gebeten....Foto: ddp

Einige halten ihn für einen begabten Musiker. Andere finden, er wird überschätzt. Die Beamten der Berliner Justizkasse wiederum sehen in Peter Doherty zunächst einmal einen säumigen Schuldner. Sie interessieren sich unter Umständen dafür, dass er an diesem Montag im Postbahnhof am Ostbahnhof auftreten wird. Das Konzert in Berlin – Tickets kosteten 34 Euro – ist ausverkauft, ebenso die folgenden Auftritte in Hamburg und München. Wenn Exzessrocker Doherty am Freitag in München sein vorerst letztes Deutschlandkonzert gibt, läuft auch die Frist ab, seine Schulden bei der Berliner Justiz zu begleichen. Eigentlich gilt: Wer nicht zahlt, dem droht Ersatzhaft.

Am 5. Dezember 2009 hatte der Rocker in der Kreuzberger Kneipe „Trinkteufel“ das Ende seiner Deutschland-Tournee gefeiert. Im Trinkteufel, einer Eckkneipe in der Naunynstraße, die im Kiez wie auch bei kulturaffinen Touristen beliebt ist, trank Doherty – und zwar mehr als ein, zwei Bier. Der 32-jährige Narziss schwankte nach dem Besäufnis am frühen Morgen auf die Straße und demolierte ein parkendes Auto. Die Polizei nahm Doherty vorläufig fest und schaffte ihn für drei Stunden auf die Polizeiwache am Checkpoint Charlie.

Im Juni 2010 bekam Peter Doherty einen Strafbefehl der Berliner Staatsanwaltschaft auf die britische Insel geschickt. Wie üblich wurden dabei Tagessätze, die sich am Einkommen orientieren sollen, als Strafe verhängt, im Fall des Musikers 30 mal 1000 Euro. Sollte Doherty das Geld bis diesen Freitag nicht überweisen, drohen ihm 30 Tage Ersatzhaft. Denn die dritte Möglichkeit, seine Strafe mit gemeinnützigen Arbeitseinsätzen abzuleisten, hat der Musiker wie zu erwarten nicht genutzt – etwa als Helfer des Grünflächenamtes.

Dass der Brite nach seinem Auftritt in München von der Bühne weg verhaftet wird, ist dennoch unwahrscheinlich. In den von Fachleuten herangezogenen Gesetzeskommentaren heißt es, der Versuch der Behörden, das Strafgeld einzutreiben, muss „ernsthaft“ betrieben worden sein. Gibt es allerdings keine Möglichkeit auf Zwangsvollstreckung, etwa weil der Schuldner im Ausland lebt oder schlicht kein Geld hat, wird es ernst. Denn stellt sich die von der Justiz verhängte Summe als „uneinbringlich“ heraus, könnte Ersatzhaft angeordnet werden. Im Fall von Doherty dürfte das bedeuten, die Justiz muss zunächst an Pfändbares herankommen. Das könnte möglicherweise auch das Honorar sein, das dem Musiker für seine Deutschland-Auftritte überwiesen wird. Der Konzertveranstalter war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

In Justizkreisen allerdings wird nicht ernsthaft mit einer Festnahme des Briten gerechnet. Von vorneherein mit einer Haftstrafe kann aber Dohertys jüngster Ausfall geahndet werden: Kürzlich hat er es in Regensburg krachen lassen – ausgerechnet zusammen mit Schwiegermutter-Liebling und Schauspieler August Diehl. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die beiden nach einem Trinkgelage die Auslage eines Musikgeschäftes aufgebrochen und eine Gitarre geklaut haben. Doherty, der den früheren, jungenhaften Vornamen Pete gegen den vermeintlich seriöseren Peter getauscht hat, feierte immer wieder musikalische Erfolge – vor allem mit seinen Bands Babyshambles und The Libertines. Regelmäßig gingen dem Verkaufserfolg reißerische Schlagzeilen über Koks und Knast voraus, sowohl auf der Insel als auch in Deutschland. Doherty ließ Konzerte und Tourstarts platzen. Seine On-Off-Beziehung zu Topmodel Kate Moss inklusive öffentlichkeitswirksamer Streitereien füllten jahrelang ganze Zeitungseiten.

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