Peter Badge in Berlin : Der Fotograf der Nobel-Preisträger

Peter Badge reist seit 15 Jahren um die Welt und porträtiert die berühmten Träger des renommierten Preises im Alltag. Bis Ende August wird eine Auswahl seiner Werke im Hotel Adlon zu sehen sein.

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Fester Händedruck von einem ganz Großen der Weltliteratur: Fotograf Peter Badge mit dem inzwischen verstorbenen Gabriel García Márquez.
Fester Händedruck von einem ganz Großen der Weltliteratur: Fotograf Peter Badge mit dem inzwischen verstorbenen Gabriel García...Foto: Peter Badge/Typos1 in coop. Foundation Lindau Nobel Laureate Meetings, all rights reserved, 2014

Für Peter Badge sind Nobelpreisträger wie Rockstars – nur ohne die lästigen Allüren. Seit 15 Jahren reist der Berliner Fotograf um die Welt und hat in dieser Zeit 400 Laureaten aufgenommen. Gerade hat der 40-Jährige in der schwedischen Botschaft ein autobiografisches Buch über die lange Reise vorgestellt: „Geniale Begegnungen. Weltreise zu Nobelpreisträgern.“ Und bis Ende August ist im Hotel Adlon eine Ausstellung mit einer Auswahl der Bilder von Nobelpreisträgern zu sehen, die er auf seiner Reise fotografiert hat.

Unbändige Neugier in den Augen der Preisträger

Die manchmal wie gemalt wirkenden Fotos sagen tatsächlich ganz viel darüber aus, was Menschen ausmacht, die einen bedeutsamen Beitrag zum Fortschreiten der Menschheit leisten. Zuerst fallen die manchmal fast kindlich wirkenden Augen auf, die unbändige Neugier auf die Welt verraten, dieser ganz und gar offene Blick. Es sind Bilder von zufriedenen, in sich ruhenden Menschen, die sich gleichwohl nicht ausruhen.

Der Fotograf wirkt scheu, so ganz anders als die Kollegen, die sich um die besten Plätze am roten Teppich balgen, eher wie ein Künstler. Ursprünglich hatte Badge keine Lust auf „alte Männer“. Aber im Zuge seiner Weltreise zu den Besten der Besten verlor der Fotograf seine Vorurteile. Und das war zuerst Eddy Fischer zu verdanken, der 1992 den Preis für Physiologie oder Medizin bekam.

Peter Badge (r.) und Eddy Fischer, Medizin-Nobelpreisträger von 1992.
Peter Badge (r.) und Eddy Fischer, Medizin-Nobelpreisträger von 1992.Foto: Peter Badge/Typos1 in coop. Foundation Lindau Nobel Laureate Meetings, all rights reserved, 2014

Er ist auch eine Art Symbol dafür, was Nobelpreisträger ausmacht. Sie sind bereit, Anstrengungen auf sich zu nehmen. Und das gilt nicht nur für wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern auch für nächtliche Fahrten zum Flughafen, um einen Freund abzuholen und diesem dann Wagner auf dem Flügel vorzuspielen. Edmond Henri Fischer hatte Badge im Juni 2000 am Bodensee bei der „Stiftung Lindauer Nobelpreisträgertagungen“ kennengelernt, und diese Begegnung muss eine Initialzündung dafür gewesen sein, dass der ehemals unter anderem auf Rockstars und Astronauten spezialisierte Fotograf sich auf diese lange Reise einließ.

Aung San Suu Kyi, Jimmy Carter und Michail Gorbatschow ganz "privat"

Natürlich gibt es keinen Mangel an Fotos von Nobelpreisträgern. Bei der Bekanntgabe oder bei der Verleihung sind sie sowieso den Blitzlichtern ausgesetzt. Aber diese Fotos zeigen Nobelpreisträger in ihrer persönlichen Umgebung. Nach der Ehrung kehren die meisten in ein stilles Leben zurück, das am Menschen aber wohl weniger Schaden anrichtet als der andauernde Ruhm, der viele Rockstars in den Ruin getrieben hat.

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08.10.2015 14:02Der Nobelpreis, benannt nach Alfred Nobel.

Eigentlich wollte Badge vor allem herausfinden, was die Persönlichkeit eines solchen Menschen ausmacht. Aber er fand auch über sich selbst einiges heraus, erlebte neue Empfindungsdimensionen, die Ehrfurcht, als er neben Nelson Mandela auf dem Sofa saß, oder die Liebe auf den ersten Blick, die er für Timor-Leste empfand. Seit 2011 ist er sogar Honorarkonsul des Landes. Manchmal hatte er nur Sekunden Zeit für ein Foto, wie bei Aung San Suu Kyi, und das, nachdem er zehn Jahre lang auf diese Fotogelegenheit gewartet hat. Manchmal folgte ein langes Gespräch, wie mit Jimmy Carter.

Der Vater von Perestroika und Glasnost, Michail Gorbatschow, mit dem Fotografen Peter Badge und seiner Tochter Irina Mihailovna Virganskaya.
Der Vater von Perestroika und Glasnost, Michail Gorbatschow, mit dem Fotografen Peter Badge und seiner Tochter Irina Mihailovna...Foto: Peter Badge/Typos1 in coop. Foundation Lindau Nobel Laureate Meetings, all rights reserved, 2014

Es war der Physiker Hans Georg Dehmelt, der dem Fotografen ursprünglich mal die Frage stellte: „Warum wollen Sie eigentlich alte Männer fotografieren?“ Da lag der 82-Jährige gerade mit Badehose am Pool. Badge antwortete, er wolle Lust auf Wissenschaft wecken. Auf den über 500 Seiten des Buches wird deutlich, dass die Wissenschaft, wenn sie mit Lust und Leidenschaft betrieben wird, ein hochwirksames Anti-Age-Mittel ist. Die Menschen, die darin vorkommen, haben in der Regel einen weiten Horizont, viele Interessen, einen spielerischen Zugang zum Leben, und sie begegnen anderen Menschen mit Achtung und Höflichkeit.

Peter Badge, Sandra Zarrinbal: Geniale Begegnungen. Weltreise zu Nobelpreisträgern. DAAB Media GmbH 2015, 29,95 €.

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