Berlin : Peter im Spielzeugland

Nach zehn Jahren ist er wieder auf der Bühne. Im Gepäck hat Peter Gabriel allerlei technisches Gerät für die Show „Growing Up“

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Zehn Jahre nach seiner „Secret World“Tour kehrt Peter Gabriel mit seiner „Growing Up“-Tour zurück. Im Gepäck hat er nicht nur die Songs seiner letzten beiden Alben „Ovo“ und „Up“, sondern auch allerlei Spielzeug: zwei hydraulische Bühnen, Fahrräder und Boote gehören zur Produktion. Als Zeichen für Brücken zwischen gegensätzlichen Religionen und Kulturen in schwierigen Zeiten sieht Gabriel den Auftritt der usbekischen Sängerin Sevara Nazarkhan. Mit ihm sprach Michael Loesl.

Warum setzen Sie bei dieser Tournee auf eine Rundbühne?

Da bekommt man mehr Energie zu spüren. Das Problem der letzten Tournee war, dass ein Teil des Publikums nur unsere Rücken zu sehen bekam. Diesmal lassen wir die Bühne rotieren, damit alle etwas von unseren Rücken haben.

Täuscht der Eindruck oder gibt es diesmal mehr „Spielzeug“?

Viele Elemente der Produktion sind wie ein Haufen Hightech-Spielzeug für mich. Wer wie ich über zehn Jahre an Songs arbeitet, stellt in der Live-Situation fest, dass die Songs durch die Inszenierung eine völlig neue Dynamik bekommen. Insofern beinhaltet die aufwendige Bühnenproduktion sowohl für mein Publikum wie auch für mich einige Überraschungsmomente.

Sevara Nazarkhan spielt im Vorprogramm. Ein kultureller Brückenschlag?

Die Verbindungen von Kulturen und Religionen werden jetzt immer wichtiger. Sevara ist eine außergewöhnliche Sängerin, die in ihrer Heimat so populär wie ein Spice Girl ist und trotzdem an der traditionellen Musik Usbekistans festhält.

Wie beurteilen Sie die derzeitige britische Außenpolitik?

Sie führt zu einer extremen Polarisierung von Christentum und muslimischem Glauben. Dieser momentane Trend ist meiner Meinung nach ein extremer und beängstigender Schritt zurück ins Mittelalter. Sie führt zurück in den Rassismus, die Isolation, Ignoranz und Homophobie.

Betrachten Sie Ihre Auftritte überhaupt noch als Konzerte im klassischen Sinne?

Nur als Musiker auf der Bühne zu stehen, ohne die Songs auch visuell darstellen zu können, das wäre mir zu wenig. Nur mit den visuellen Elementen zu spielen, aber auch. Ich glaube, dass man das Publikum mit einer Produktion wie dieser sehr viel mehr berühren und deutlich mehr ausdrücken kann. Gerade in den großen Arenen kann es problematisch sein, den Kontakt zum Publikum herzustellen, was uns mit dieser Produktion allerdings gelungen ist.

Gabriel spielt am Sonntag im Velodrom. Ganz wenige Restkarten gibt es an den VVK-Stellen, es gibt keine Abendkasse .

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