Berlin : Peter Stadtmüller: Streit um die Nachfolge von Senatssprecher Heußen

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Der Stuhl des stellvertretenden Senatssprechers ist seit dem 1. Oktober leer. Die SPD muss ihn besetzen, das steht dem kleineren Koalitionspartner zu. Es könnte auch schon passiert sein, würde nicht wegen der Personalie eine kleine, feine Machtfrage zwischen den SPD-Senatoren Klaus Böger (Bürgermeister) und Peter Strieder (Parteichef) schwelen.

Seit Monaten ist als einziger Anwärter auf die Nachfolge von Eduard Heußen der langjährige Fraktionssprecher Peter Stadtmüller im Gespräch. Aber er ist der Favorit Bögers. "Ich will es", sagt Böger; es klingt wie ein Befehl. Das macht Strieder offenbar misstrauisch. Er nennt zwar keinen anderen Namen, kontert aber: "Es gibt keinen Automatismus. Ich habe eine Reihe von Telefonaten geführt, mal sehen, wen wir bitten." Auch eine "Außenlösung" will Strieder für die "schwierige Aufgabe" nicht ausschließen. Klar, Senatssprecher Michael-Andreas Butz ist in erster Linie die Stimme seines Herrn Eberhard Diepgen. Der Stellvertreter muss aufpassen, dass er nicht von Informationen des Regierenden abgeschnitten wird und die SPD beim "Verkauf" der Senatserfolge an die Presse nicht zu kurz kommt.

Böger hätte seinen vertrauten Berater Stadtmüller am liebsten schon im letzten Dezember auf den Stellvertreter-Stuhl gehievt, als er selbst vom Fraktionsvorsitz in den Senat wechselte. Doch da saß Eduard Heußen, der erst zum 1. Oktober der früheren Bürgermeisterin und Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing in die neue Gesellschaft zur Modernisierung der Bundeswehr folgte. Nun war Heußen immer die politische Stütze von Frau Fugmann-Heesing. Nie war das Verhältnis zwischen einem Senatssprecher und einem einzelnen Senator auf der SPD-Seite politisch so eng wie zwischen "Annette" und "Eddi". Jetzt also ein Böger-Mann? Dann ist SPD-Chef Strieder mit den Ambitionen auf die Spitzenkandidatur in vier Jahren wohl eher für einen Strieder-Mann, obwohl er solch "kleinkariertes Denken" bestreitet. Nur so viel doch: "Die Art, wie Heußen die Bürgermeisterin betreut hat, kann nicht alles sein."

Was aber hat Stadtmüller mit dieser Vertrauens- oder Misstrauensfrage zwischen Strieder und Böger zu tun? Nichts. Er will auch nicht zwischen die Stühle geraten und gibt sich daher einsilbig: "Ich habe mich nicht beworben." Dabei hat er elf Jahre drei Fraktionschefs mit Rat und Tat Loyalität und Treue bewiesen, nämlich Ditmar Staffelt, Klaus Böger und Klaus Wowereit. Nirgendwo hat er Feinde. Folglich ließe ihn Wowereit einerseits ungern ziehen, andererseits gönnt er ihm die Chance zur Krönung seiner Karriere - jetzt oder nie. Der 58-jährige Stadtmüller gilt als erfahren, offen und redlich im Umgang mit der Presse und Politik, als einer mit Stilgefühl. Auch Diepgen und Butz haben nichts gegen ihn. Nur Strieder meint: "Ich sage nicht, dass etwas gegen Stadtmüller spricht, aber wir haben keine Eile in dieser schwierigen Frage."

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