Berlin : PETRIPLATZ

Petriplatz
PetriplatzFoto: Tsp

Aus dem kollektiven Gedächtnis der Stadt war er fast schon ausgelöscht, der Petriplatz – doch mit Archäologen und Ausgrabungen kam die Erinnerung zurück, an die Geschichte dieses Ortes und die Geburtsstunde Berlins. Der Petriplatz war der „Marktplatz“ des mittelalterlichen Cölln, die eine Hälfte der Doppelstadt Berlin- Cölln. Der älteste Teil der Stadt? Der Streit darüber, ob das nicht eher das Nikolaiviertel ist, trugen Schüler der beiden Teilstädte schon vor Jahrhunderten handgreiflich aus. Und er hält bis heute an. Archäologen entdeckten am Petriplatz einen Holzbalken und datierten ihn auf das Jahr 1212 (plusminus 10 Jahre), erst 1244 wird Berlin erstmals urkundlich genannt, es ist also die älteste Spur der Stadt – bis zur nächsten Ausgrabung. Heute liegt der Petriplatz brach, vom tosenden Verkehr der Gertraudenstraße umspült. Und er ist ein Versprechen: Ein archäologisches Zentrum soll über den Grundmauern der dort ausgegrabenen Lateinschule entstehen, die evangelische Petri-Marien-Gemeinde will ein Gotteshaus für Christen, Juden und Muslime bauen. Das frühere Warenhaus Hertzog wird saniert, das einzige christliche Kaufhaus seiner Zeit. Auch die Ratswaage wird rekonstruiert. Auf die steuerten Händler ihre Fuhrwagen vor und nach Abschluss ihrer Geschäfte. Das so ermittelte Gewicht der Waren war Grundlage für deren Besteuerung. So könnte der Petriplatz zur ersten Anlaufstelle für Flaneure werden, die im Archäologischen Zentrum das Rüstzeug erhalten für Streifzüge durch das alte Berlin: über das Nikolaiviertel zum Marienviertel, am gotischen Rathaus vorbei, zum Schloss. Ralf Schönball

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