Berlin : Peymann will den Palast der Republik umsetzen

Intendant des Berliner Ensembles findet das Ei des Kolumbus: Abrissobjekt soll neben seinem Theater wieder aufgebaut werden

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„Nein, kein früher Aprilscherz, aber Wahnsinn ist doch auch was Schönes“, sagt Claus Peymann und lacht. Wenn morgen um den Palast der Republik ein Bauzaun gezogen und der einstige DDR-Vorzeigebau Stück für Stück abgerissen wird, hat der Intendant des Berliner Ensembles (BE) schon eine Idee, wohin mit den Resten. Direkt neben sein Theater, an die Straße Am Zirkus, dort, wo einst Teile des alten Friedrichstadtpalastes standen. Hier soll der neue Palast der Republik wiederauferstehen. In Originalgröße, versteht sich, fast bis zum Ufer der Spree reichend. „Der passt da hin, das haben wir genau ausgemessen“, sagt Peymann.

Seit Jahren soll auf der Fläche gebaut werden, aber es passiert nichts. Und deshalb, sagt sich Peymann, muss da der Palast der Republik hin. Zusammen mit dem BE, dem Tränenpalast gegenüber, könnte das Gelände zur „großen DDR-Klagemauer oder zum Nostalgiezentrum“ werden. Zu einer touristischen Attraktion, so attraktiv wie das Brandenburger Tor. Der Intendant schwärmt von einem verrückten Spiel, total wahnwitzig – und überhaupt: „Das Ei des Columbus“.

Die irre Idee sei gar nicht mal ausschließlich auf seinem Mist gewachsen, sagt Peymann. Es habe mit Senatsvertretern ein Gespräch über die Zukunft der Brachfläche gegeben. Und weil keiner so recht wusste, ob da wirklich mal gebaut wird, sei die wahnwitzige Idee geboren. Das scheine ihm, so Peymann, bemerkenswert, zumal die Stadt manchmal so „lahmarschig“ wirke. „Der Aufbau ist gar nicht so kompliziert“, erklärt er, „der Palast ist doch nur ein großes Skelett mit riesigen Trägern“. Und so spinnt er die Geschichte fort, sieht die „Ost-Berliner Errungenschaften“ fast auf einem einzigen großen Areal vereint, denn auch sie gelte es zu verteidigen, nicht nur die Bühnen am Kurfürstendamm. Der Abriss des Palastes der Republik, das weiß Peymann, lässt sich ohnehin nicht verhindern – und der Aufbau an anderer Stelle, nun ja, ist ein letzter theatralischer Versuch, den Verlust mit Humor zu nehmen. Denn die Koalitionsmehrheit im Bundestag wird am Freitag vermutlich das Ende des Hauses besiegeln und das von Linkspartei und Grünen geforderte Abriss-Moratorium ablehnen. Die Trümmer werden in den nächsten eineinhalb Jahren auf der Spree mit dem Schiff abtransportiert, aber nicht am Schiffbauerdamm vorm Berliner Ensemble wieder abgeladen. Die Bundestagsabgeordnete Monika Griefahn, Sprecherin der SPD-Arbeitsgruppe Kultur und Medien, machte gestern noch einmal ganz ernsthaft deutlich, dass es ihrer Ansicht nach für das Parlament keinen Grund gibt, die Abrissentscheidung zu revidieren.

So wird neben dem Berliner Ensemble vorerst eine Brachfläche bleiben. Die große Klagemauer, das Nostalgiezentrum – sie bleiben ein Traum und eine absurde Vorstellung. Aber vielleicht verdient der Wahnwitz des Theaterintendanten eine Gedenktafel.C. v. L.

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