Berlin : Pfand könnte Dosenabsatz noch steigern

Händler wollen Mehrwegflaschen aus dem Sortiment nehmen, wenn Einweg-Rücknahme kommt

Cay Dobberke

Nach knapp zwei Monaten hat das Dosenpfand bei Berliner Händlern eine unerwartete Reaktion ausgelöst: Viele Geschäfte wollen bald nur noch Dosen und Einwegflaschen verkaufen, Mehrwegflaschen aber aus dem Sortiment nehmen. Das ergab eine Mitgliederbefragung des Verbands der Lebensmittelhändler in Berlin und Brandenburg, die der Vorsitzende Horst Faber gestern vorstellte. Unter der Voraussetzung eines einheitlichen Rücknahmesystems seien Einwegverpackungen „einfacher zu handhaben“ als Mehrwegflaschen. Die Absichten der Händler stünden natürlich im „Widerspruch zum Anliegen des Gesetzgebers“, sagte Faber.

Zwei Pfandsysteme sind den Getränkeverkäufern zu kompliziert und zu teuer, wie die Umfrage ergab. Gegen Mehrwegflaschen spreche, dass viele Größen und Formen zu sortieren sind. Dagegen müsste ein Händler für Dosen und Einwegflaschen aus Kunststoff nur zwei Behälter aufstellen, moderne Automaten können sogar beide Verpackungen aufnehmen.

Noch gibt es den Einweg-Trend allerdings nicht – im Gegenteil. Weil das bundesweite Rücknahmesystem bisher fehlt, hat fast die Hälfte der befragten Lebensmittelhändler die Dosen „ganz oder teilweise“ aus dem Sortiment genommen. Geschäfte und Kioske in Citylage, die vor allem Touristen und andere Laufkundschaft bedienen, melden 90-prozentige Rückgänge bei Dosenverkäufen. Nur Märkte in Wohngebieten können die Verluste durch steigende Absatzzahlen bei Mehrwegflaschen ausgleichen.

Rund 50 Prozent weniger Dosen und Einwegflaschen als früher setzt „Getränke Hoffmann“ ab. „Wir werden aber auch künftig Einweg und Mehrweg anbieten“, sagt Marketingchef Mario Benedikt und stellt sich damit gegen den behaupteten Trend. Bei großen Handelsketten werde es jedoch „sicher eine Entscheidung“ zwischen den Systemen geben. Der Sortieraufwand für Mehrwegflaschen sei in der Tat höher, es gebe rund zwei Dutzend Typen. Auch „Meyer Beck“ verkauft nur noch halb so viele Getränke in Einwegverpackungen. Geschäftsführer Heinz Mohr ist darüber aber nicht unglücklich: Man bevorzuge seit langem Mehrwegartikel.

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