Pflege : Am besten zu Hause

27 Beratungsstellen für Pflegebedürftige werden dieses jahr entstehen. Angehörige können sich über die Angebote informieren.

Anna Sauerbrey

An einem Donnerstag um halb vier meldet sich ein Mann aus Brandenburg im Pflegestützpunkt Kreuzberg in der Wilhelmstraße. Seine Kreuzberger Tante ist aus dem Krankenhaus entlassen worden, aber muss immer noch intensiv gepflegt werden. Die Familie kann das kaum leisten. Er ist auf der Suche nach professioneller Hilfe – und zwar möglichst schnell.

Fälle wie dieser sind in Berlin mit seinen etwa 96 000 pflegebedürftigen Bürgern an der Tagesordnung. Um die Situation der Betroffenen und ihrer Angehörigen zu verbessern und die Orientierung im Dschungel der öffentlichen und privaten Angebote zu erleichtern, entstehen dieses Jahr 27 Beratungsstellen in der Stadt, sogenannte Pflegestützpunkte. Ziel sei es, so die Senatorin für Integration, Arbeit und Soziales, Heidi Knake-Werner am Mittwoch, „dass möglichst viele Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben können.“

In jedem Bezirk werden mindestens zwei Beratungsstellen eingerichtet, 24 Anlaufstellen eröffnen bereits im Juli. Die ehemalige Beratungsstelle „Rund ums Alter“ in der Wilhelmstraße erprobt schon seit Anfang 2008 als „Pflegestützpunkt“ das neue Modell. Weitere elf senatsfinanzierte Anlaufstellen werden im Juli ebenfalls dem neuen Projekt zugeschlagen. Die übrigen Stützpunkte werden von den Pflege- und Krankenkassen eingerichtet, die insgesamt zwei Drittel der Kosten tragen.

Trotz der Finanzierung durch die Kassen solle die Beratung aber unabhängig sein, betonte Gisela Seidel, Leiterin des Probebetriebs in Kreuzberg. Die Stützpunkte sollten „Leuchttürme“ sein, also Kontakte herstellen, bei der Antragstellung helfen und Angebote erläutern. Mindestens zwölf Stunden pro Woche sollen die Stützpunkte geöffnet sein, aber auch Hausbesuche bei Hilfesuchenden anbieten. Über die bereits bestehende Hotline der Koordinierungsstellen „Rund ums Alter“ sind die Pflegestützpunkte ab Juli montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr erreichbar (0180 5950059, 14 Cent pro Minute). Anna Sauerbrey

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