Berlin : Pflege in Berlin – alle Antworten

Die Auswahl eines guten Heimes, die Finanzierung, die Hilfsangebote für zu Hause: Hier sind die Adressen

Daniela Martens

Für viele ist es ein Angstthema: das Leben im Pflegeheim. In Berlin betrifft diese Angst besonders viele Menschen. Knapp 90 000 Berliner sind pflegebedürftig. In den vergangenen Jahren sind es immer mehr geworden: Um sechs Prozent ist ihre Zahl zwischen Ende 2001 und Ende 2003 gewachsen (neuere Zahlen gibt es noch nicht), stärker als im Bundestrend. In 524 Heimen für Alte und Behinderte leben rund 35 000 Menschen. Zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden aber immer noch zu Hause versorgt. Für Angehörige und Betroffene stellen sich also viele Fragen. Dabei wollen wir weiterhelfen.

Welche Möglichkeiten gibt es, als Pflegebedürftiger weiter zu Hause zu leben?

Berliner, die ihre Familienangehörigen selbst betreuen möchten, können sich an das „Berliner Service- und Informations-Zentrum für Angehörigenarbeit“ (BeSIZ) wenden. Die bezirksübergreifende Beratungsstelle informiert über aktuelle Unterstützungsangebote. Sie fungiert auch als Vermittler und organisiert Gesprächsgruppen und Pflegekurse für Angehörige. Informationen gibt es unter www.besiz.de oder Telefon 437 44 271.

Wie bekomme ich Hilfe bei der Pflege?

Viele Krankenkassen bieten Angehörigen-Pflegekurse an. Haushaltshilfen aus anderen Ländern vermittelt die Bundesagentur für Arbeit nach Absprache mit den Arbeitsverwaltungen in Polen, der Tschechischen Republik, der Slowakischen Republik, Ungarn, Slowenien und Bulgarien. Zuständig ist die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) in Bonn (Telefon 0228/7130). Wichtig: Die Haushaltshilfen dürfen offiziell nicht pflegen, sondern nur im Haushalt helfen.

Wie organisiere ich die Finanzierung?

Die Pflegeversicherung übernimmt nur eine Grundsicherung. Das bedeutet, dass die Leistungen oft nicht ausreichen, um den Hilfe- und Pflegebedarf ganz zu decken. Wer sich zusätzliche Kosten nicht leisten kann, muss Sozialhilfe beantragen. Einen Überblick gibt es im Netz unter www.hilfe-und-pflege-im-alter.de.

Wie findet man ein gutes Heim?

Gibt es einen speziellen Plan fürs Einleben in den ersten Wochen? War das Informationsgespräch detailliert und persönlich genug? Sind Atmosphäre und Umgangston angenehm? Eine Pflegeheim-Checkliste mit 36 Punkten gibt es auf der Homepage der „Arbeitsgemeinschaft Berliner Koordinierungsstellen rund ums Alter“ (www.koordinierungsstellen-rundumsalter.de). Von der Erreichbarkeit über die Ausstattung bis zu den Essenszeiten und der Kündigungsfrist reichen die abgefragten Kriterien. Füllt man für mehrere Heime diese Checkliste aus, hat man eine Vergleichsbasis. Ein Vorwort betont jedoch, dass es kein Heim gebe, das alle erwähnten Kriterien erfüllt! Die Mitarbeiter der Koordinierungsstelle beraten auch telefonisch, unter 0180-595 00 59, 9 bis 18 Uhr. Und: Sie helfen bei Antragsverfahren und der Durchsetzung von Ansprüchen.

Woran erkennt man, dass jemand im Heim nicht gut behandelt wird?

Die Kriterien „satt und sauber“ reichen zwar nicht aus, um ein würdevolles Dasein zu gewährleisten. Aber sie sind Grundvoraussetzungen für ein Leben im Pflegeheim. Das sagt die Psychologin Dorothee Unger von der Organisation „Pflege in Not“. Vernachlässigung erkenne man am Detail. Es sei ein schlechtes Zeichen, wenn es im Heim oft stark nach Urin rieche. Als Angehöriger sollte man darauf achten, ob das Pflegepersonal präsent ist oder ob die Station oft verwaist wirkt. Außerdem sollten die Pfleger immer auch darüber Bescheid wissen, was außerhalb ihrer Schichten im Heim passiert, über Arztbesuche oder kleine Unfälle. Blaue Flecken und rote Stellen müssen immer dokumentiert und gut erklärt werden. Wichtig ist der Tonfall der Pfleger. Sie dürfen die Patienten weder wie kleine Kinder noch im Kommandoton ansprechen. Ein Anzeichen für starke Misshandlung kann ein innerer Rückzug des Patienten sein. Man müsse aber immer genau hinsehen und dürfe keine voreiligen Schlüsse ziehen. Durchlegegeschwüre dürften jedoch niemals vorkommen.

Was kann ich tun, wenn es Angehörigen im Heim nicht gut geht?

Möchte man auf kleinere Missstände hinweisen, sollte man das behutsam tun, niemals „zwischen Tür und Angel“, sagt Dorothee Unger. Hilfe bei Krisen finden Betroffene, Angehörige und Fachkräfte bei „Pflege in Not“ unter Telefon 69 59 89 89 (Montag, Mittwoch, Freitag, 10 bis 12 Uhr). Eine Mitarbeiterin geht bei Bedarf als Vermittlerin ins Heim.

Wo finde ich Hilfe, wenn das Ende kommt?

Eine Broschüre zu den Themen Sterben, Tod und Trauer in Berlin gibt es bei der „Zentralen Anlaufstelle Hospiz“. Darin gibt es auch Informationen über Patientenverfügungen und schmerztherapeutische Angebote. Das Heft ist per Post beim Unionhilfswerk Sozialeinrichtungen GmbH, Kopenhagener Straße 29, 13407 Berlin bestellbar oder im Internet einzusehen unter www.hospiz-aktuell.de.

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