Pflegeheim-Skandal : Lazarus-Verbund prüft Verleumdungsklage

Der Lazarus Wohn- und Pflegeverbund prüft eine Verleumdungsklage gegen den Berliner Ersatzkassenverband. Die Vorwürfe einer Manipulation der Pflegestufe im Lazarus-Krankenheim entbehrten jeder Grundlage, sagte Lazarus-Vorstand Hans-Uwe Stephan.

Berlin - Es habe einen einzigen Fall gegeben, bei dem eine "überforderte Pflegerin" einer "unruhigen und aggressiven" Patientin ohne ärztliche Anordnung ein schwach wirkendes Psychopharmaka verabreicht habe. Die Patientin sollte an diesem Tag auf eine Höherstufung der Pflegestufe hin untersucht werden. Die Pflegerin sei daraufhin vom Dienst suspendiert worden, sagte Stephan.

Der Leiter der Landesverbände der Angestellten-Krankenkassen sowie der Arbeiter-Ersatzkassen (VdAK/AEV), Karl-Heinz Resch, hatte dagegen erklärt, aktuelle Informationen legten den Verdacht nahe, dass in dem Heim zwischen Pflegeleitung und behandelnden Ärzten ein "ebenso stilles wie makabres Einvernehmen" bestanden habe.

Ermittelt wird wegen Körperverletzung und Betrug

Die Berliner Justiz ermittelt gegen Angestellte des Heims wegen schwerer Körperverletzung und Betruges. Danach sollte die Patientin mit Medikamenten ruhig gestellt werden, um in eine höhere Pflegestufe eingruppiert werden zu können. Das Pflegeheim hätte so mehr Geld für sie erhalten. Stephan erklärte erneut, eine zweimalige Überprüfung durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen in der Altenhilfeeinrichtung habe ergeben, dass der Vorwurf des Betrugsversuchs "nicht gerechtfertigt" sei.

Bei dem erwähnten Fall sei die Pflegestufe der Patientin zwar auf die Gruppe III statt wie geplant auf II erhöht worden. Lazarus habe aber bis zur Aufdeckung des Irrtums nicht mehr Geld von den Kassen bekommen.

Die Grünen im Abgeordnetenhaus forderten den Senat auf, seiner Aufsichtspflicht nachzukommen und die Kontrollen in den Pflegeeinrichtungen zu verstärken, um derartige Vorfälle auszuschließen. Die neuen Vorwürfe zeigten, wie lange der Senat das Thema Pflege habe schleifen lassen, sagte die sozialpolitische Sprecherin Jasenka Villbrandt. (tso/ddp)

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