Berlin : Pflegeleichter Star

Für die Goldene Kamera war Bruce Willis in die Stadt gekommen, aber auch, um für seinen neuen Film zu werben: „Hostage – Entführt“

Andreas Conrad

Sein Cappuccino steht schon da. Und draußen auf dem Gang spannt sich ein riesiger Reflektorschirm für die anschließende Fotosession. Deren wichtigstes Requisit wird gerade poliert: eine Goldene Kamera. Nicht die, die Bruce Willis am Abend erhalten wird, da steht dann hoffentlich der Name drauf. Einfach eine Placebo-Trophäe fürs Erinnerungsbild.

Der Cappuccino wird langsam kalt. Zeit für die kleine Reporterrunde im Adlon, in Erinnerungen zu schwelgen: ans erste Treffen mit Willis, bei der Berlinale 1996, als Willis später in der Universal Hall den Rockstar gab; oder ein paar Jahre später, als er sich im längst geschlossenen Planet Hollywood als DJ versuchte. Manch einer notiert wohl auch, was er von Kollegen aufgeschnappt hat, die die Begegnung mit Willis heute schon hinter sich haben. Ein pflegeleichter Star, alles könne man ihn fragen. Auch, ob die langen Haare, der Bart in den ersten Szenen von „Hostage – Entführt“ echt waren. Das waren sie, habe er versichert. Und dass er selbst überrascht war, wie grau der Bart schon sei.

Beim Gespräch wird die abendliche Ehrung keine Rolle spielen, Willis will schließlich für seinen neuen Film werben, der am 17. März in die deutschen Kinos kommt – teilweise übrigens mit deutschem Geld finanziert. Und endlich, da ist er, kahlrasiert, wie man ihn kennt, das war auch gut so im Film. Denn so eine wilde Haartracht hat doch Nachteile, wenn auf dem Set die Flammen hochschlagen, wie beim Showdown von „Hostage“. Wenn zudem ein Requisiteur von oben Funken niederrieseln lässt, auf das alles recht gefährlich aussehe. Leicht kann sich da auf dem Kopf was entzünden, so aber gab es nur winzige Brandblasen auf der Kopfhaut.

Mehr sei nicht passiert, aber gegrillt habe er sich schon gefühlt, erzählt Willis. Er hatte gehofft, dass der Brand des Hauses, in dem drei jugendliche Autodiebe einen Vater mit seinen Kindern als Geisel genommen haben, digital erzeugt werde, aber Florent Siri, der französische Regisseur des Film, bestand auf echten Flammen. Die Darsteller der Kinder hatten mächtig Angst, Willis musste sie beruhigen: Sie sollten einfach dasselbe machen wie er, sich dicht an ihn halten. So waren sie plötzliche eine Person: der Schauspieler Bruce Willis und der Polizist Jeff Talley, ehemals Spezialist für Geiselnahmen, der sich nach einem gescheiterten Einsatz aus Los Angeles indie Provinz versetzen ließ und sich plötzlich gleich einer doppelten Geiselnahme gegenübersieht – der fremden Familie und seiner eigenen. In dem überfallenen Haus nämlich lagern Informationen über einen mafiösen Trust, die soll Talley besorgen.

50 Jahre wird Willis am 19. März, viel bedeutet ihm das nicht. Klar, der Körper altert, aber ansonsten sieht er keinen Einschnitt. Zudem glaubt er an die Wiedergeburt. Nicht aus einer religiösen Weltsicht, er sei mehr ethisch-spirituell bestimmt. Und da ist die Zeit auch schon um. Die Goldene Kamera wartet, frischpoliert.

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