Berlin : Pflüger tritt in Britz gegen Ur-Britzerin an

Ulrich Zawatka-Gerlach

SPD-Frau sieht gute Chancen gegen CDU „Friedbert Pflüger tritt gegen mich an, nicht ich gegen ihn!“ Petra Hildebrandt, die im Neuköllner Wahlkreis 3 für die SPD kandidiert, sagt das ganz entschieden. Den CDU-Spitzenkandidaten hat sie bisher nicht zu Gesicht bekommen. Pflüger kennt die Konkurrentin erst recht nicht. Es ist mehr ein „Blind Date“ als ein Wahlkreis-Duell in Britz und Umgebung.

Der Wahlkreis 3: Das ist die Laubenkolonie „Zufriedenheit“ nahe des Treptower Parks. Das ist die Hufeisensiedlung mit den bunten Einfamilienhäusern. Das sind aber auch die gedrängten Wohnquartiere und Gewerbegebiete in Karl-Marx- und Hermannstraße, südlich des S-Bahnrings. Diese Mischung macht den Wahlkampf schwierig. Es gibt kein Thema, das alle interessiert, und nur wenige Passanten lassen sich von den Wahlkämpfern ansprechen. „Aber ich kenne hier so viele, da steht man anders am Stand“, sagt SPD-Frau Hildebrandt. Besser als der CDU-Konkurrent, will sie wohl sagen.

Der wirbt mit „Pflüger für Britz“. Dass diese Plakate auch in der High-Deck- Siedlung oder der Köllnischen Heide geklebt werden, die gar nicht zum Ortsteil Britz gehören, stört den Kandidaten nicht. Er muss sowieso stadtweit Wahlkampf machen und quetscht ab und zu einen Termin im Wahlkreis dazwischen; im Job-Center an der Sonnenallee oder beim Britzer Bürgerverein. In Neukölln gibt es nur wenige Orte, wo sich Wahlwerbung lohnt. Beispielsweise Rathaus Neukölln, Kottbusser Damm oder Rudower Spinne. Und in den Gropius-Passagen, wo am „Tag der SPD“ von früh bis spät italienischer Altrock, Bauchtänzerinnen, der Circus Mondeo und die Wahlkreiskandidaten um Zuschauer buhlten. Solange die Musik spielte, blieben ein paar Leute stehen. Aber die Sprüche der Kandidaten wurden nur im Vorbeigehen konsumiert.

Auch Pflüger präsentierte sich mit der Kanzlerin Angela Merkel nicht im eigenen Wahlkreis, sondern in der nahen Gropiusstadt. Zwischen Postbank und Billigmarkt. „Ein toller Bezirk“, rief Pflüger den 300 Zuhörern zu, die nicht so dreinschauten, als fänden sie das auch. Rot-Rot sei ein Armutsmodell, klagte der CDU-Kandidat. „Wann begreifen das die Bürger endlich?“ Die Britzer CDU-Vorsitzende Sabine Toepfer-Kataw, die ihren Wahlkreis nur widerstrebend dem Kandidaten Pflüger überlassen hatte, forscht schon nach Ursachen einer möglichen Wahlniederlage. „Das ist nicht Pflügers Schuld“, sagte sie zu einem Parteifreund beim Wahlkampfeinsatz im Kiez. „Das Problem ist die Partei, die muss sagen, ob sie ihn wirklich will.“ Dieses Problem hat Petra Hildebrandt nicht. Die 34-jährige Prokuristin eines städtischen Wohnungsunternehmens, verheiratet, ein Kind und sehr gesprächig, ist schon in Britz zur Schule gegangen. Seit 1995, als sie Bezirksverordnete wurde, hat sich Hildebrandt um das Quartiersmanagement und die Jugendhilfe gekümmert. Eine Kommunalpolitikerin aus dem SPD-Bilderbuch.

Die Wahlforscher sagen für den Wahlkreis 3 ein knappes Ergebnis voraus, mit Vorteilen für Hildebrandt. 2001 hatte sie 2,7 Prozentpunkte Vorsprung. Bis 1999 war Neukölln Eberhard-Diepgen-Land, dort erzielte der frühere Regierende Bürgermeister und CDU-Landeschef traumhafte Wahlergebnisse. Rund um Britz haben die Wähler noch immer keine Lust auf Linke und Grüne, die SPD hat hier einen konservativen Touch. Aber seit 2001 ist der Bezirk politisch geteilt: Der Norden gehört den Sozis, der Süden der Union. „Ich bin vorsichtig“, sagt Hildebrandt. „Ich habe Chancen, aber noch nicht gewonnen.“

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