Berlin : Pflügers Internationalität kommt in der Berliner CDU gut an

Führende Unionsleute loben den neuen Hoffnungsträger – und hegen keinen Groll mehr wegen dessen alter Berlin-Abneigung

Werner van Bebber

Aller Anfang ist leicht. So viele CDU-Mitglieder wären so froh, wenn die Kandidatensuche endlich ein Ende fände, dass ein Politikprofi wie Friedbert Pflüger kaum etwas falsch machen kann. Er sagte beim Neujahrstreffen der CDU-Gruppierung „Frischer Wind in Mitte“ ein paar freundlich-zuversichtliche Sätze, da strahlten schon alle: Er sei zur Kandidatur bereit, sehe eine „ehrenvolle und schöne Aufgabe“, erfahre „Ermutigung, die das Maß meiner Erwartung bei weitem übersteigt“. Natürlich sagte er auch, was man über Berlin so sagt – dass er gerne hier lebt, wegen der Kultur, der Lebensqualität. Der Mann will ankommen.So könnte alles gut werden, erst einmal.

Das Schweigegebot in der CDU gilt inzwischen nicht mehr. Groß ist die Hoffnung der Berliner auf den niedersächsischen Bundestagsabgeordneten, dass viele ihr offen Ausdruck geben – auch wenn der Kandidat noch nicht nominiert ist. Am Wochenende hatte Stephanie Vogelsang, die Kreischefin von Neukölln lobende Worte für Pflüger gefunden. Auch Frank Steffel ist von Pflüger angetan. Der Reinickendorfer Kreischef teilt mit, er habe „bereits in der Kreisvorsitzendenrunde für ihn geworben“. Peter Kurth, Ex-Finanzsenator und Beinahe-Landeschef, sieht „ein sehr gutes Signal“.

Informell ist alles klar. Pflüger hat erklärt, er stehe zur Verfügung. Und wenn es noch Widerstand gäbe in der Partei – die Mehrheit der Kreischefs und auch der Delegierten auf einem Parteitag hätte Pflüger so gut wie sicher. Das könnten Ingo Schmitt, Michael Braun und Nicolas Zimmer garantieren. Die drei gehören zu der Findungskommission, die nun mit Pflüger verhandelt – und sie führen die mitgliederstarken Verbänden Charlottenburg-Wilmersdorf, Südwest und Tempelhof-Schöneberg an.

Pflüger kommt allerdings nicht nur in der West-Berliner CDU an. Auch Mario Czaja, der der CDU Marzahn-Hellersdorf vorsitzt, freut sich über Pflügers Bereitschaft. Monatelang hatte Czaja alles, was mit der Spitzenkandidatensuche zusammenhing, eisern beschwiegen. Das hatten die Kandidatenrekruteure um Schmitt der Partei dringend nahe gelegt – und monatelang war das Schweigen der Partei so ziemlich das einzige, was bei der Kandidatensuche verlässlich war. Aber jetzt sagt Czaja, man könne mit Pflüger „schnellstens zusammenkommen“. Ähnliches hört man auch aus anderen Ost-Berliner Verbänden.

Es gibt auch keiner mehr etwas darauf, dass Pflüger 1991 zu den Gegnern des Parlaments- und Regierungsumzugs von Bonn nach Berlin gehörte. Das sei 15 Jahre her, sagt Czaja. Einer seiner Ostkollegen spricht von „alten Geschichten“. Und Pflügers Bundestagskollege Karl-Georg Wellmann weiß, dass Pflüger sich in Berlin längst sehr wohl fühle und hier auch eine Wohnung habe. Viel wichtiger und interessanter für Berlin sei doch Pflügers „internationale Erfahrung“.

Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass Pflüger nicht bloß Mitarbeiter Richard von Weizsäckers gewesen ist – der Alt-Bundespräsident und Ex-Regierende ist das Modell aller Kandidaten-Importe. Pflügers liberale Positionierung in der CDU und seine außenpolitische Orientierung erscheinen Berliner Parteifreunden nun als Qualitätsmerkmale. Das sei mal einer, „der sich deutlich vom Stadtratsniveau in Berlin abhebt“, sagt Michael Braun.

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