Berlin : "Pfotengeld": Teurer Streit um Idefix

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Einen Hund abzugeben, kann teuer werden - nicht für den Hundehalter, sondern für das Tierheim. Ein am Dienstag vor dem Amtsgericht Schöneberg verhandelter Fall deutet darauf hin. Ein Hund namens Idefix stand im Mittelpunkt, daneben eine Schwangere, das überfüllte Tierheim und, angeblich, eine Allergie.

Die Geschichte begann nach Darstellung des Tierheims im Mai. Frau K. war schwanger, wie sie sagte. Außerdem sei sie allergisch gegen Hundehaare, wie ihr Mann erklärte. Ihr kleiner Terriermischling Idefix müsse deshalb dringend weg - um das ungeborene Kind nicht zu gefährden. Die Mitarbeiter des Tierheims Lankwitz in der Dessauerstraße ließen sich trotz notorischer Überfüllung - jährlich werden rund 5000 unerwünscht gewordene Hunde abgegeben - erweichen. Idefix durfte erst einmal bleiben. So weit die Darstellung des Tierheims.

Familie K. habe sich bereit erklärt, 250 Mark für den Transport des ein Jahr alten Hundes in ein anderes Tierheim zu zahlen - "als Umlage", sagt Tierheim-Chef Volker Wenk. Idefix wurde geimpft, mit einem Mikrochip versehen, entfloht, entwurmt und zwei Wochen lang durchgefüttert - insgesamt hatte das Tierheim bis hierhin nach eigenen Angaben 210 Mark für den Hund aufgewendet. Dann wurde Idefix mit 18 anderen Hunden ins brandenburgische Tierheim Langengrassau gefahren. "Pfotengeld": 200 Mark. "Es ist üblich", sagt Wenk, "dass wir an die Tierschutzvereine, die uns Hunde abnehmen, je 200 Mark zahlen." Bis zu 800 Berliner Hunde jährlich werden auf diese Weise umgesiedelt.

So weit, so alltäglich. Doch Familie K. zog vor Gericht, wollte 250 Mark zurück. Das Amtsgericht Schöneberg entschied, wie das Tierheim mitteilt, zugunsten des Klägers, weil es sich nicht, wie auf der Quittung angegeben, um "echte" Transportkosten handele. 200 Mark seien vielmehr als "Pfotengeld" an das auswärtige Tieramt gegangen. Der Tierschutzverein Lankwitz muss das Geld erstatten.

"Haarspalterei", meint Volker Wenk. Die Darstellung von Familie K.: "Wir sagen kein Wort."

Wenk ist ungewöhnlich verärgert. Im Jahr würden rund 1000 Hunde mit den wildesten Ausreden abgegeben, "aber so einen inszenierten Betrug habe ich noch nicht erlebt." Denn wie er später erfahren habe, lebe Familie K. - Schwangerschaft hin oder her - mit neun Hunden im Haus, ohne Idefix. Nun fürchtet Wenk sarkastisch eine neue Tierhaarallergie. Das Tierheim sei jedenfalls in Folge der "Causa Idefix" um rund 1000 Mark ärmer.

Nur einer ist wohlauf. Idefix hat eine neue Familie gefunden.

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