Berlin : Phantom-Gespräche

Sind nun Schauspieler die besseren Hochstapler oder umgekehrt? Das Trio Spielberg, Hanks und DiCaprio stellte „Catch me if you can“ vor

Andreas Conrad

Der Ort mit der höchsten Wahrscheinlichkeit, einem Hochstapler zu begegnen? Ein roter Teppich. Gewiss, relativ gesehen bleibt die zu erwartende Trefferquote niedrig, denn die allermeisten Gäste, die – wie gestern Abend zur Premiere von „Catch me if you can“ – über die schimmernde Auslegware schreiten, sind doch in Besitz einer offiziellen Einladung und zudem mit der Person des Geladenen identisch. Auch haben sie oft einen derart hohen Bekanntheitsgrad, dass mogeln kaum möglich wäre. Aber der eine oder andere ungebetene Gast wird wohl wieder dabei gewesen sein im Cinestar am Potsdamer Platz, als gegen 19 Uhr der rote Teppich zur Prominentenlaufbahn wurde, plattgetreten von Heino Ferch, Jürgen Vogel, Sissi Perlinger und Michael Gwisdek. Empfangen wurden sie von einer Gruppe Stewardessen im historischen PanAm-Look, die später unentwegt mit Steven Spielberg, Leonardo diCaprio und Tom Hanks posieren durften. Auch Klaus Wowereit und Christina Rau waren da, parlierten angeregt mit den drei Herren aus Hollywood, die sich, wie man hörte, hinterher im Borchardt laben wollten.

Der Premierentrubel hatte viel versprechend begonnen, noch vor der Pressekonferenz im Saal des Adlon-Palais. „Wie war doch der Name?“ Der Stift lief suchend die seitenlange Liste entlang, verharrte. Der Stimme mischte sich plötzlich Misstrauen bei: „Sie sind doch schon drin.“ Jedenfalls war der Name abgehakt, die Herrin der Gästeliste konnte sich sogar erinnern, einem Herrn selbigen Namens Einlass gewährt zu haben. Immerhin, der Personalausweis, den der Mann, unvermutet einer Identitätskrise ausgesetzt, zückte, ließ keinen Zweifel übrig: Er ist, der er ist. Aber wer saß dann drinnen und harrte der Begegnung mit Steven Spielberg, Leonardo DiCaprio und Tom Hanks? Handelte es sich womöglich um einen klug eingefädelten PR-Gag? Hatte sich ein Doppelgänger eingeschlichen, was angesichts eines Films über den Hochstapler Frank W. Abagnale nicht verwunderlich wäre?

Genug der Fantastereien über ein Phantom, dem vielleicht nur ein Hörfehler zugrunde lag, nichts also, womit man sich das Warten verkürzen konnte und später dann, als die drei „Titanen Hollywoods“ eingetroffen waren, die gelegentlichen Leerstellen der Star-Befragung. Obwohl: Hochstapelei ist ein gutes Stichwort, wenn es um Filme geht. Denn sind nicht, gab Franks Alter ego Leonardo zu bedenken, die meisten Schauspieler eine Art Hochstapler? „Und dann werden wir auch noch unglaublich gut für unsere Arbeit bezahlt, die wir ohnehin lieben.“ Umgekehrt, war nicht Frank W. Abagnale „ein sehr professioneller Schauspieler“, der die verschiedenen Rollen als Copilot, Kinderarzt, Anwalt genau studierte, bevor er hineinschlüpfte? Und war nicht, wie Hanks zu bedenken gab, sein FBI-Mann so etwas wie der Doppelgänger des Hochstaplers?

Drei Männer, drei Temperamente: Hanks meist hingelümmelt, nicht maulfaul, aber auch nicht gerade ein Charmebolzen. Spielberg wieder ausgesprochen gut gelaunt und bei weitem der Gesprächigste, wie schon im Sommer bei der Vorstellung von „Minority Report“. Schließlich DiCaprio, verbindlich im Ton, zurückhaltend in den Antworten, geübt im Zurückweisen unwillkommener Fragen. Seine Haltung zu Bushs Politik? „Dazu würde ich gerne ins Detail gehen“ – aber doch nicht hier!

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