Berlin : Phantomdebatte um das Amt des Ausländerbeauftragen

Suzan Gülfirat

Von Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

„Diskussion um Beauftragten“, so titelte die Hürriyet am vergangenen Mittwoch auf der ersten Seite ihrer neuen Lokalbeilage. Die Überschrift ging quer über die ganze Seite der „Hürriyet Berlin“, die erst seit knapp zwei Wochen erscheint und jetzt jeder Mittwochsausgabe der Zeitung beiliegt. Angeblich werde zurzeit in Berlin diskutiert, ob ein türkischstämmiger Kandidat die Stelle von Barbara John übernehmen könne, hieß es in der Zeitung. Schließlich geht die dienstälteste Ausländerbeauftragte Deutschlands im nächsten Jahr in Pension, und ein Nachfolger ist noch immer nicht gefunden worden.

Wie genau diese angebliche Diskussion entstanden sein soll und wer sie momentan führt, konnte der Leser den zwei Unterzeilen der Titelzeile nicht entnehmen. Das blatt zitierte darin „die Berliner Türken“ und beschreibt, wie sie die Idee angeblich finden: „Das wäre gar nicht so schlecht.“ Dazu zeigte das Blatt vier Köpfe von prominenten türkischstämmigen Berlinern. Drei von ihnen sind bereits seit Jahren Ausländerbeauftragte in den Bezirken der Stadt: Emine Demirbüken (Tempelhof-Schöneberg), Azize Tank (Charlottenburg-Wilmersdorf) und Mustafa Cakmakoglu (Mitte-Tiergarten). Der Vierte im Bund der von Hürriyet Auserwählten war der Sprecher des Vereins „Türkischer Bund Berlin-Brandenburg“ (TBB), Safter Cinar.

Die meisten der Befragten sagten, dass es ihnen ziemlich egal sei, ob diesen Posten nun ein türkischstämmiger Berliner oder einer mit einer anderen ethnischen Herkunft bekommt. In jedem Fall sollte es ein Nichtdeutscher sein. „Das würde Berlin sehr gut stehen“, meinte zum Beispiel das Mitglied im Landesvorstand der Berliner CDU, Emine Demirbüken.

Nur Mustafa Cakmakoglu, der Ausländerbeauftragte von Tiergarten, war anderer Meinung: „Die Türken sind die größte Gruppe unter den Ausländern, und sie haben die 40-jährige Geschichte der Migration am meisten von allen Ausländer mitgeprägt. Wenn diese Regierung etwas zugunsten der Ausländer machen möchte, sollte der Posten mit einem geeignete Kandidaten aus dem Kreis unserer türkischen Freunde besetzt werden.“

Aber bei dieser Hürriyet-Geschichte ist wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen. Solch eine Diskussion gibt es nicht – zumindest nicht in der deutschen Öffentlichkeit. Bis jetzt steht nicht einmal gerüchteweise fest, wer ab kommenden Juni die Interessen der Ausländer in Berlin vertreten wird. Die Stelle wird demnächst ausgeschrieben. Dann kann sich jeder bewerben.

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