Berlin : Pharao-Ameisen im Altenwohnhaus

Tiere können Krankheiten übertragen und Infektionen auslösen

Rainer W. During

Von Pharao-Ameisen ist ein Spandauer Seniorenwohnhaus an der Heerstraße befallen. Von Insekten bevölkert wurde bislang nur eine Wohnung, woher die Tiere in diesem Fall kommen, ist bislang ungeklärt. Im Gegensatz zu ihren einheimischen Artgenossen bevorzugt diese Insektenart zentralbeheizte Gebäude und gilt als gefährlicher Überträger von Krankheiten. Wo sich die millionenfach auftretenden Krabbeltiere einmal niedergelassen haben, sind sie nur mit größtem Aufwand wieder auszurotten.

Das Gebäude an der Heerstraße wird von der Wohnungsbaugesellschaft Gewobag im Auftrag des Bezirksamtes verwaltet. Die Bewohner wurden jetzt durch das Rundschreiben einer Schädlingsbekämpfungsfirma verschreckt, die gleich fünf Einsätze bis Januar ankündigte. „Wenn die Ameisen auch nur in einer Wohnung festgestellt wurden, muss das ganze Haus untersucht werden", sagte ein Gewobag-Sprecher.

Die nur maximal zwei Millimeter großen Pharao-Ameisen sind ein zunehmendes Problem, so Karolin Bauer-Dubau vom Berliner Betrieb für zentrale gesundheitliche Aufgaben (BBGes). Die Insekten können Bakterien aus Sanitäreinrichtungen oder auch aus offenen Wunden von Menschen auf ihrer Körperoberfläche weiter tragen und beispielsweise Lebensmittel oder Arbeitsflächen in der Küche kontaminieren.

„Es sind Fälle bekannt, wo auf diese Weise in Krankenhäusern oder größeren Gemeinschaftseinrichtungen Salmonellenerkrankungen oder Wundinfektionen ausgelöst wurden", so die Expertin. Gerade ältere Menschen mit oft geschwächtem Immunsystem seien gefährdet. Die Pharao-Ameisen stammen aus Ostindien und werden bereits seit Jahrzehnten auf dem Handelsweg nach Europa eingeschleppt. Ein Volk, das aus mehreren Königinnen und etwa einer Million Arbeiterinnen besteht, ist nicht größer als eine Faust. In Mauerritzen, zwischen beschädigten Fliesen und selbst in Blumentöpfen finden sie einen idealen Lebensraum.

Da die Insekten Zweignester bilden, verteilen sie sich schnell auf ein ganzes Haus. Deshalb reicht ihre Bekämpfung in einer einzelnen Wohnung oder Etage nicht aus. „Die Pharao-Ameisen verbreiten sich wie Feuer", sagt Karolin Bauer-Dubau. Wurden ihrer Behörde im Jahr 2000 insgesamt 16 Fälle von Neubefall ganzer Häuser oder Wohnblöcke gemeldet, waren es 2001 bereits 26 und in diesem Jahr bis September 25. Einen wirksamen Schutz gibt es nicht, so die Expertin.

Da die Ameisen eine feuchte Umgebung bevorzugen, kommen sie auch in Lebensmittelbetrieben oder Wäschereien vor und können selbst mit frisch gewaschener Wäsche in den Haushalt eingeschleppt werden. Auch aus Sauna oder Schwimmbad können sie über die Handtücher in die Wohnung gelangen. Oft werden die Insekten nicht erkannt oder für einheimische Ameisen gehalten. Allerdings sind sie viel kleiner.

Selbst wenn man nur zwei oder drei davon in seiner Wohnung findet, sollte man die Insekten vorsorglich zur Untersuchung an den Berliner Betrieb für zentrale gesundheitliche Aufgaben in der Invalidenstraße 60, 10557 Berlin schicken oder dort werktags zwischen 7 und 18 Uhr persönlich abgeben. Werden tatsächlich Pharao-Ameisen identifiziert, hilft nur noch der Kammerjäger. Die Bekämpfung gestaltet sich langwierig und erfolgt durch vergiftete Köder.

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