Philharmoniker in Berlin : Ein Horn-Konzert neben dem Marathon

Während am Sonntag die Marathonläufer draußen vorbeiziehen, starten die Musiker in der Philharmonie ein Langstreckenkonzert.

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Volles Rohr. Stefan Dohr.
Volles Rohr. Stefan Dohr.Foto: Rittershaus/promo

Für Stefan Dohr war es Liebe auf den ersten Ton: Bei einem Verwandtenbesuch sah er als Kind ein Waldhorn an der Wand hängen, schnappte sich das goldglänzende Ding, blies hinein – und war begeistert. Der warme, volle Ton gefiel ihm besser als alles, was er als Bratschen- Schüler bislang dem Streichinstrument entlockt hatte. Aus der ersten Euphorie wurde eine stabile Beziehung: Seit 1993 ist Stefan Dohr Solo-Hornist der Berliner Philharmoniker. Und weil er gerne jede Gelegenheit nutzt, um seine Begeisterung an andere weiterzugeben, war er sofort Feuer und Flamme, als er hörte, dass das Horn zum „Instrument des Jahres 2015“ gewählt wurde.

Ein erster Höhepunkt dürfte gegen 13 Uhr der „Titanic“-Soundtrack sein

Dass als Termin für eine konzertierte Aktion der Berliner Hornisten der 27. September ausgewählt wurde, ist Zufall: Nur an diesem Tag war der Kammermusiksaal der Philharmonie noch frei. Während die Marathonläufer draußen vorbeiziehen, starten die Musiker drinnen ihr Langstreckenkonzert um 11 Uhr. Im Foyer werden Gruppen aufspielen, zwischen denen das Publikum hin und her wandeln kann. Anschließend verlagert sich das Geschehen in den Saal, wo Werke erklingen, bei denen die auf verschiedenen Ebenen verteilten Musiker miteinander musikalisch kommunizieren. Ein erster Höhepunkt dürfte gegen 13 Uhr der „Titanic“-Soundtrack sein, geschmettert aus zwei Dutzend Schalltrichtern. Nachmittags stößt dann der sechste Philharmoniker-Hornist, Georg Scheckenberger dazu. Er wird nämlich zunächst die 42,195 Kilometer quer durch Berlin absolvieren. Sportlich aktiv zu sein, ist eine Grundvoraussetzung für professionelle Hornisten, sagt Stefan Dohr. Wer die Luftsäule in dem über vier Meter langen, vielfach gebogenen Rohr zum Schwingen bringen will, braucht eine gute Atemtechnik. Und eine trainierte Zwerchfellmuskulatur. „Gib Luft, ist doch keine Blockflöte!“, lautet darum das Motto des Hornisten-Marathons. Diesen Spruch musste sich Stefan Dohr einst selber von seinem ersten Lehrer anhören.

Jeder kann sein Instrument mitbringen und mitspielen

Damit die Sause am Sonntag klanglich nicht zu einseitig wird, hat Dohr einige philharmonische Kollegen zum Mitmachen überredet: So werden neben Hörnern auch Geigen, Bratschen, Celli und ein Klavier zu hören sein. Und zum Schluss dürfen dann alle hornbegeisterte Laien mit auf die Bühne: „Jeder kann sein Instrument mitbringen, mit uns proben und dann beim finalen ,Abblasen’ mitspielen“, sagt Stefan Dohr.

Tagestickets für den Horn-Marathon gibt es ab 10 Euro. Weitere Infos unter: www.berliner-philharmoniker.de

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