Berlin : Philosophie und Kaffeeflecke

Wolfram Eilenberger liest im Tagesspiegel-Salon

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Er hat da einen Fleck. Der junge Mann gegenüber sieht ansonsten tadellos aus, wie fürs Examen zurechtgemacht, aber mitten auf seinem blütenweißen Seidenhemd prangt ein Kaffeefleck. Soll man ihn darauf hinweisen? Kann ihn der Fleck im Examen Punkte kosten? Warum stört er so? Und: Was hat dieser fiese braune Kaffeerest mit Philosophie zu tun?

Auf den ersten Blick wenig, auf den zweiten viel. Wolfram Eilenberger, Tagesspiegel-Kolumnist und Redakteur beim Magazin „Cicero“, geht in seinem Buch „Philosophie für alle, die noch etwas vorhaben“ (Berlin Verlag), stets von Alltagssituationen aus: Begegnungen im Zugabteil, Partys mit coolen Menschen, die man nicht kennt, Vorstellungsgespräche, in deren Verlauf einem die wahrhaft grundlegende Frage gestellt wird: „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ Und er spürt die philosophischen Überraschungen auf: In 25 Geschichten präsentiert er eine kurzweilige Einführung in die höchste aller Disziplinen, die uns so unerwartet nah ist. Der Kaffeefleck übrigens führt direkt in die Tiefen der Moralphilosophie und bis zu Immanuel Kant.

Eilenberger, 32, studierter und demnächst offiziell promovierter Philosoph, fasziniert an seinem Fach, dass es neue Perspektiven eröffnet: „Philosophie gleicht einem Spiel, dessen Ziel ein besseres Leben ist“. Den Lesern des Tagesspiegels ist der 32-Jährige als Autor der Sport-Kolumne „Live aus dem Elfenbeinturm“ bekannt, in denen er über die Leiden des Reservetorwarts oder die Nationalität des Fußballgotts nachdenkt. Denn Fußball war seine erste Liebe, spielte Eilenberger viele Jahre intensiv, er hat auch eine Trainerlizenz. Seine Kolumnen sind jetzt ebenfalls als Buch erschienen: „Lob des Tores – 40 Flanken in Fußballphilosophie“ (Berliner Taschenbuch Verlag, 202 Seiten, 8,90 Euro). Im Salon wird er auch aus diesem Buch lesen und mit Tagesspiegel-Redakteur Helmut Schümann über die lebensverwandelnde Kraft des Nachdenkens sprechen.

Mit akademischer Philosophie hat das alles wenig zu tun, viel eher mit der Tradition der Marktplatzphilosophie, wie sie Sokrates angeblich betrieb. Für den Salon werden sich auch die literarischen Köche von „eßkultur“ auf die denklustige Antike einstellen und servieren Kostproben aus philosophischen Symposien. Dazu spielt Jazzpianist Florian Binder, und den einen oder anderen philosophischen Fleck gibt’s gratis dazu. D.N.

Zeitung im Salon mit Wolfram Eilenberger, Do. 23. Februar, 19.30 Uhr, im Löwenpalais (Koenigsallee 30–32, Grunewald). Eintritt (inkl. Essen) 12 Euro. Anmeldung Mi., 15. Februar, von 7.30 Uhr bis 20 Uhr unter 26009-609. Bei mehr Anmeldungen als Plätzen entscheidet das Los.

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