Berlin : Picasso und Miró unterm Hammer

Die Freunde der Nationalgalerie luden zur Jubiläumsauktion. 300000 Euro wollten sie sammeln

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Besondere Ereignisse erfordern besondere Anstrengungen. Weil in der Neuen Nationalgalerie von April bis Oktober 2004 insgesamt 180 Kunstwerke aus dem Museum of Modern Art New York gezeigt werden sollen, kann der Verein der Freunde und Förderer der Nationalgalerie finanziell noch etwas Unterstützung brauchen. Denn der Club mit seinem Vorsitzenden Peter Raue hat die Ausstellung, die auch andere wichtige Museen gerne in ihren Räumen gehabt hätten, für die Nationalgalerie gesichert. Für einen stolzen Preis: Rund acht Millionen Euro wird die MoMA-Ausstellung kosten. Da sollte durch eine Auktion zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins noch ein bisschen Geld zusammenkommen. Rund 300000 Euro hatten Raue und die Seinen angepeilt. Zehn Prozent vom Erlös, das hatten die Vereinsmitglieder kurz vor Beginn entschieden, wollten sie dann auch noch als Hochwasserhilfe für den beschädigten Zwinger in Dresden spenden.

Spender der 105 Kunstwerke waren befreundete Galerien und Museen, zum Beispiel die Sammlung Beyeler aus Basel, die zwei Radierungen von Picasso zur Verfügung stellte. Die Sammlung Beyeler ist der Berliner Nationalgalerie eng verbunden, ihre wichtigsten Meisterwerke hatten die Schweizer schon einmal im Rahmen einer Sonderausstellung in der Nationalgalerie gezeigt. Spender war aber auch Heinz Berggruen, der einen Plakatentwurf von Joan Miró beisteuerte. Jenny Holzer und Rebecca Horn, um nur zwei Beispiele zu nennen, haben ihre Werke selbst zur Versteigerung freigegeben, ebenso Michel Würthle, der mit zwei Werken dabei war, unter anderem mit seinem Portrait von Heiner Müller.

Als Auktionator fungierte einmal mehr der Vorsitzende selbst. Peter Raue hat in diesem Amt Routine. Er versteigert einmal pro Jahr Kunst zugunsten des Zentrums für Folteropfer, und hat es für seinen eigenen Verein vor sieben Jahren schon einmal getan – als es darum ging, das Otto-Dix-Gemälde „Die Skatspieler“ für die Nationalgalerie anzukaufen. Am Freitagabend bewies Raue wieder nicht nur seine Qualitäten am Pult, sondern auch als Entertainer. Etwa, als das Bild von Norbert Bisky unter den Hammer kommt: „Das ist der Lieblingsmaler von Guido Wetserwelle. Schade, dass er heute nicht da ist, denn dieses Bild scheint ihm gewidmet zu sein. Es trägt den Titel: ,Wird schon stimmen’.“ Gelächter im rappelvollen Kellergeschoss der Neuen Nationalgalerie. Geschätzt vierhundert Interessenten waren gekommen, Vereinsmitglieder, Kunsthändler, Liebhaber.

Sie alle bestaunten auch das Vogelhaus der Künstlerin Maria Eichhorn. Raue: „So etwas können sie auch bei Bauhaus kaufen, nur, da ist es nicht von Maria Eichhorn.“ Einen Bieter hat das überzeugt. Er zahlte 3400 Euro. Raue scherzhaft: „Er hat den größten Vogel.“ Was versteigert wurde, entschied Raue selbst. „Ich habe alle Künstler und Galerien selbst angeschrieben.“ Die Auktion ist also ganz zurecht auch seine Auktion. Nach der Hälfte der Zeit hat Raue schon über 150000 Euro erzielt.

Für die Zeit nach der Auktion luden die Freunde der Nationalgalerie zum Fest, praktischerweise im selben Haus. oew

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