Berlin : Picasso von der Pike auf

Wie eine Berlinerin Kindern die Museen der Stadt nahe bringt

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Die Kinder haben eine Menge Fragen an den Sammler. Sie wollen von Heinz Berggruen wissen, in welcher Sprache er mit Picasso gesprochen habe, ob er und der Maler „richtige Freunde“ gewesen seien, welches Bild aus seiner Sammlung Berggruen am meisten möge. Und Berggruen nimmt sich alle Zeit für die acht Jahre alten Mädchen und Jungen von der Charlottenburger Lietzensee-Grundschule. Da steht der schlanke kleine Mann, der der Stadt Berlin dieses große Gemäldegeschenk gemacht hat, in beiger Hose und blauem Blazer in seinem Museum an der Charlottenburger Schloßstraße und nimmt jede Frage ernst. Er spricht von dem „Glück“, Picasso kennen gelernt zu haben und davon, dass „seine engsten Freunde“ die eigenen Bilder gewesen seien.

Später geht es dann hoch in den Raum mit den vielen Dora Maars – den Portraits der Frau, die Picasso als Modell wohl besonders viel bedeutet hat. Berggruen weist auf eine Dora Maar in heller Jacke, die den Betrachter aus großen dunklen Augen ansieht. Das ist Berggruens Favoritin. Es liege an den Farben, dass er diese Bild so möge, an Doras goldfarbener Jacke, auch am Ernst ihres Ausdrucks, sagt der Sammler.

Mag sein, dass sich das den Kritikeraugen der Kinder nicht ganz erschließt – dass diese Bilder, diese Sammlung und dieser Mann etwas Besonderes darstellen, hat sich ihnen längst erschlossen, auch wenn sie ihn im Gespräch gern duzen. Sie konnten sich nämlich mit einem für Kinder gemachten Buch, das Waldtraut Braun herausgegeben hat, auf den Besuch bei Berggruen vorbereiten.

Waldtraut Braun will Kinder und Kunst zusammenbringen. Deshalb gibt sie Museumsführer für Kinder heraus – der über die Berggruensche Sammlung ist der siebte Titel –, kauft größere Auflagen und verschenkt sie in ganzen Klassen-Sätzen. „Mit der Auflage, ins Museum zu gehen“, wie sie sagt. Waldtraut Braun mag den Begriff „Mäzenin“ nicht besonders, deshalb beschreibt sie lieber, was sie tut und sieht dann still aus der zweiten Reihe zu, wie sich Kinder auf Bilder einlassen.

Monika Grütters, CDU-Bundestagsabgeordnete und Kulturfachfrau, spricht trotzdem gern von dem „stillen Mäzenatentum“, das so wichtig ist für die Berliner Kultur. Grütters hat Berggruen und die Kinder aus der Lietzensee-Grundschule zusammengebracht. Nun versucht sie, den Mädchen und Jungen Berggruens eigentliche Arbeit mit dieser Sammlung zu vermitteln. Berggruen, Sohn deutsch-jüdischer Berliner, war 1936 gerade noch rechtzeitig aus Deutschland weggegangen, um sich vor den Nazis in Sicherheit zu bringen. Auch damit hatten sich die Schüler beschäftigt, als sie sich auf den Besuch in der Sammlung vorbereiteten. Menschen wie er, sagt ein Junge, seien aus Deutschland verjagt worden. wvb

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