Berlin : Picknick beim Präsidenten

Brandenburgische Sommerkonzerte gehen auf Schlosspartie

Elisabeth Binder

Normalerweise gehen die Klassiker mit den Brandenburgischen Sommerkonzerten auf Landpartie. Aber an diesem Wochenende steht eine Schlosspartie auf dem Programm, und was für eine. Statt Kaffeetafel im Pfarrgarten gibt es ein Wandelkonzert im Schloss Bellevue mit Picknick im Präsidentenpark. Johannes Rau, Schirmherr der Deutschen Stiftung Denkmalschutz will mit dieser einmaligen Öffnung des Schlosses das jahrelange Engagement der Sommerkonzerte für den Denkmalschutz in Brandenburg anerkennen. Die Sommerkonzerte kommen ohne öffentliche Zuschüsse aus und geben einen Teil der Einnahmen für die Denkmalpflege in Brandenburg. „Mit Musik bringen sie Leben und Lebensfreude in viele Baudenkmale und in die Kulturlandschaften Brandenburgs, und sie helfen so auch mit, diese Denkmale und Landschaften zu bewahren“, schreibt Rau in einem Grußwort.

Das „Glyndebourne an der Spree“ ist auch inspiriert von der feinen englischen Art, beim gleichnamigen Opernfestival Klassik und Picknick stilvoll zu verbinden. Zu dem ausverkauften Konzert werden etwa 500 Gäste aus dem ganzen Bundesgebiet erwartet. Für die Tickets haben sie diesmal 170 Euro bezahlt. Beim Wandelkonzert wollen die Musiker des Symphonieorchesters Werke von Männern spielen, die „politisch etwas zu sagen hatten und die Kunst des gesetzten Tons auch außerhalb der Diplomatie beherrschten“, zum Beispiel von Friedrich dem Großen. Außerdem sollen Komponisten aufgeführt werden, die von kunstsinnigen Politikern beschäftigt und eingeladen wurden, Mozart etwa oder Bach. Das Wandelkonzert beginnt im Bundespräsidialamt und führt durch verschiedene Säle und Salons im Schloss Bellevue, um schließlich bei Unterhaltungsmusik der 30er Jahre und Abendgesängen im Park zu enden. Wer gut zu Fuß ist, kann alle Teile verfolgen.

Und was zieht man an zum klingenden Picknick beim Bundespräsidenten, das sich vom Nachmittag bis tief in den Abend hinein zieht? Eine Frage, die auch parkettsichere Gäste angesichts des durchwachsenen Wetters ins Grübeln bringen kann. Martin Löer, der Protokollchef des Bundespräsidialamts, antwortet auf entsprechende Fragen, dass ein heller Anzug durchaus angemessen ist. Krawattenzwang herrscht zwar nicht; da er selber den Bundespräsidenten aber noch nie ohne gesehen hat, kann er sich vorstellen, dass sich auch die Gäste mit Krawatte wohler fühlen. Die Frauen machen mit sommerlichen Kleidern nichts falsch, angesichts der zu erwartenden Temperaturen mit einem schicken Hosenanzug aber vielleicht manches richtiger.

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