Berlin : Pilgerfahrt zum Schlosshotel: Fans bleiben rund um die Uhr

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„Für uns seid ihr so stark und heiß wie Drachen. Besonders Jens Lehmann.“ Das hat die 14-jährige Judith aus Spandau auf ein Stück Papier geschrieben und dazu gleich das passende Ungeheuer gezeichnet – im Fußballtrikot der deutschen Mannschaft. Jetzt wartet sie mit rund 100 anderen Fans in der Mittagshitze vorm Schlosshotel im Grunewald, dem Quartier der deutschen Nationalmannschaft. Viele sind dorthin gepilgert, um den Spielern ihre Solidarität zu zeigen und um vielleicht ein Autogramm zu bekommen. Fan-Unterstützung rund um die Uhr: Morgens um 3.30 Uhr, als der Mannschaftsbus aus Dortmund zurückkam, sei der Trubel besonders groß gewesen, berichtet eine Polizistin.

Judith will ihrem Idol unbedingt die Drachen-Zeichnung überreichen. Doch Jens Lehmann ist längst nicht mehr im Hotel. Wie die meisten anderen Spieler ist er im Lauf des Vormittags in einem Auto mit getönten Scheiben an den Fans vorbeigefahren. Alle Autos, die durch das große schmiedeeiserne Tor des Hotels fahren, werden laut bejubelt. Doch ausgestiegen ist noch keiner. „Auch Lehmann nicht“, sagt Judith ein bisschen enttäuscht. Doch sie verliert die Hoffnung nicht. Mindestens bis 21.30 Uhr will sie abwarten, ob die Spieler nicht doch noch zu ihren Fans kommen.

Die 43-jährige Kristin und der 38-jährige Torsten fotografieren sich gegenseitig vor dem Mannschaftsbus, der vor dem Hotel parkt. „Wir sind hergekommen, um uns ein bisschen über das verloren Spiel hinwegzutrösten“, sagt Kristin. „Und wir wollten den Spielern zeigen, dass wir immer noch hinter ihnen stehen.“ So sieht das auch die 27-jährige Angela aus Steglitz: „Heute müssen wir die Mannschaft ganz besonders unterstützen.“ Als Schutz gegen die sengende Sonne hat sie einen Regenschirm mit Fußballmuster aufgespannt.

Linnea und Juliane, 19 und 20, stehen im Schatten, direkt hinter der Absperrung. Daran haben sie ein Schild befestigt: „Danke, holt den Dritten. 54, 74, 90, 2010.“ Dass die deutsche Mannschaft es in vier Jahren zum Titel schafft, davon sind sie überzeugt. Und, spekulieren sie auch auf ein Autogramm? „Nö, das ist nicht unsere Art“, sagt Juliane. Trotzdem hält sie einen dicken Filzstift und einen Block in der Hand. dma

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