Berlin : Piloten stufen Tegel als „sehr kritisch“ ein

Vereinigung Cockpit: Kein anderer Flughafen hat derzeit mehr Zwischenfälle am Boden

Klaus Kurpjuweit

Die Pilotenvereinigung Cockpit stuft die Bedingungen auf dem Flughafen Tegel für rollende Flugzeuge als „sehr kritisch“ ein. Von keinem anderen Flughafen würden derzeit so viele Zwischenfälle mit Beinahekollisionen gemeldet, sagte gestern Abend Cockpit-Sprecher Markus Kirschneck. Eine Ursache könne sein, dass Tegel für den derzeitigen Verkehr zu eng sei. Bei der technischen Beurteilung wird Tegel dagegen von Cockpit wie in den Vorjahren als mängelfrei eingestuft.

In Tegel hat es, wie berichtet, in letzter Zeit mehrere Zwischenfälle, sogenannte Runway Incursions, gegeben. So werden Vorfälle bezeichnet, bei denen sich ein Flugzeug oder auch eine Person unberechtigt auf einer Start- oder Landebahn aufhält. Die Flugsicherung weist die Piloten jetzt darauf hin, nach der Landung in Tegel besonders aufzupassen. Zudem beobachten die Lotsen nun ein gelandetes Flugzeuge konsequent, bis es seine Abstellposition erreicht hat. Vorher kümmerten sich die Lotsen gleich ums nächste Flugzeug, nachdem sie der gelandeten Maschine die erforderlichen Anweisungen gegeben hatten. Jetzt verlassen sie sich nicht mehr darauf, dass die Piloten die Anweisungen auch so befolgt werden.

Unter anderem hatte im Juli ein Airbus- Pilot nach dem Landen auf dem Weg zum Terminal nicht vor der anderen Startbahn gewartet, sondern war, wie berichtet, weitergerollt, obwohl dort gerade eine Boeing zum Start abhob.

Dicht nebeneinander liegende Start- und Landebahnen sowie zum Teil fast im rechten Winkel abzweigende Abrollwege für die Flugzeuge stellen in Tegel besondere Anforderungen an Piloten, die möglichst schnell die Landebahn verlassen sollen, damit es hinter ihrer Maschine keinen Stau am Boden oder in der Luft gibt. Vor allem in Spitzenzeiten gibt es in Tegel kaum noch Reserven bei Starts und Landungen.

„Runway Incursions“ seien das Unfallthema Nummer Eins in der Luftfahrt, sagte Kirschneck gestern Abend. Der geplante Einbau von sogenannten Stopbars, in den Boden integrierte rote Lichterketten, die nicht überfahren werden dürfen, wenn sie eingeschaltet sind, seien eine Hilfe, aber nicht ausreichend. Cockpit fordert den Einbau von GPS-gestützten Geräten im Flugzeug, die bei einer Annäherung an eine Start- und Landebahn die Piloten warnen. Denn nicht nur in Tegel müsse sich die Sicherheit verbessern.

Schwieriger als andere Flughäfen sei auch Tegel für die Piloten nicht, sagte dagegen Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber. Wäre der Flughafen gefährlich, würde Lufthansa dort nicht starten und landen. Ähnlich sieht es sein Kollege Peter Hauptvogel von Air Berlin. Tegel Probleme bei der Sicherheit vorzuwerfen, sei „Panikmache“.Klaus Kurpjuweit

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