Pilotprojekt der BSR : Berlins Parks werden endlich sauberer

Ist das Pilotprojekt für mehr Sauberkeit in den Berliner Parks erfolgreich? Am Donnerstag zogen Senat und BSR eine erste, positive Bilanz.

Julia Dziuba
Orange ist das neue Grün. Der Görlitzer Park wird stark genutzt – und verschmutzt. Die BSR muss hinterherfegen. Dadurch ist es schon mal sauberer geworden. Foto: Mike Wolff
Orange ist das neue Grün. Der Görlitzer Park wird stark genutzt – und verschmutzt. Die BSR muss hinterherfegen. Dadurch ist es...Foto: Mike Wolff

Krachend schlägt der faustgroße Stein auf dem Pflaster auf. An diesem Donnerstagmorgen zeigt der Görlitzer Park noch einmal kurz sein altbekanntes Gesicht: Ein Parkbesucher, vielleicht auch -bewohner, fühlt sich von Fotografen und Fernsehkameras gestört und ergreift unter wüstem Geschrei die Eigeninitiative. Der Görli – seit Jahren beliebter Treffpunkt für Sonnenanbeter, Grillmeister und Familienausflügler, aber auch ein Zentrum von Gewalt und Drogenkriminalität, Müllberge und Dreck inklusive. Das Negativ-Image des Parks bröckelt nun aber zunehmend.

Während sich die Dealer zunehmend in die Straßen ringsum verlagern, ist der Park seit Juni auch Teil eines Projekts des Landes und der Stadtreinigung BSR. Zwölf Parks und einzelne touristische Knotenpunkte, von der Greenwichpromenade in Reinickendorf bis zum Grünzug Britz in Neukölln, werden bis Ende 2017 von der BSR bearbeitet. Ziel: Die überbordenden Müllmassen in den Parks, gerade nach den Wochenenden, endlich in den Griff zu bekommen. Kostenpunkt: 7,3 Millionen Euro pro Jahr.

332 zusätzliche Papierkörbe für die Parks

Treffpunkt Görlitzer Park, Ecke Oppelner Straße am Donnerstagmorgen: Was hat sich bislang in den Parks getan? Der Görli erscheint auf den ersten Blick vor allem eins – bunt. Die Mülleimer sind mit den bekannten, orangefarbenen Slogans der BSR beklebt. Auch vereinzelte grüne Mülltonnen fallen auf – Müll ist ziemlich wenig zusehen. Insgesamt 332 zusätzliche Papierkörbe hat die BSR in den zwölf Parks aufgestellt, plus 35 Mülltonnen. Jeden Tag kümmern sich insgesamt 100 zusätzlich eingestellte Kräfte in Früh- und Spätschicht um die Parks – im Görli sind es morgens in Spitzenzeiten sechs, abends ein Mitarbeiter.

Grundlegend bei der Personalaufstellung ist dabei eine 50-prozentige Frauenquote. Die BSR-Vorstandsvorsitzende Tanja Wielgoß: „Es gab einen großen Andrang auf die Stellen.“ Teil der kleinen Prozession, die langsam Richtung Mauerpark schlendert, ist Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD), der auch BSR-Aufsichtsratsvorsitzender ist. Er spricht von dem „positiven Ansteckungseffekt“, den sauberere Parks auf ihre Besucher hätten. 500 Tonnen Müll, also etwa 40 große Lkw-Container, hat die BSR in den ersten sechs Wochen aus den Parks transportiert, mit abnehmender Tendenz: „Die Vermüllung lässt nach“, befindet BSR-Regionalstellenleiter Mario Orlowsky für den Görlitzer Park. Besucher äußerten sich gegenüber den BSR-Mitarbeitern positiv, Kinder spielten wieder häufiger auf den Wiesen.

Spaziergänger sagen: Daumen hoch

Die Vernetzung zwischen Bezirken und Stadtreinigung sei ein zentraler Bestandteil des Projekts, sagt der Senator. Die Personifizierung dessen ist Axel Koller, Leiter des Straßen- und Grünflächenamts des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg . Die Grünflächenämter sind eigentlich für die Reinigung der Parks zuständig. Aber: „Die BSR hat die eigentliche Kompetenz hierfür und soll die Aufgabe deshalb auch übernehmen“, sagt Koller. Das Amt sei „sehr sehr froh“ über das Projekt, nun könne es wieder mehr in die Pflege der Parks investieren. Auch die Berliner und Touristen heben den Daumen: Im Juni sagten 84 Prozent, die Parks des Pilotprojekts wären sehr sauber oder eher sauber – ein Zuwachs um 25 Prozentpunkte gegenüber dem Vormonat. Das ergab zumindest eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Stadtreinigung. Spricht man mit Anwohnern, bestätigen die eine vorübergehende Verbesserung. „Das war schon mal schlimmer, ätzender“, sagt ein Mann, der in einer Seitenstraße des Parks wohnt. „Allerdings liegen gefühlt gerade mal wieder eine Menge ausrangierte Fernseher und Sofas herum.“

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