Berlin : Pilzberatung: Von Pilzen in Pfanne und Punkten im Regen

Annette Leyssner

"Unter Eichen und Buchen kannst du Pilze suchen, unter Linden wirst du nicht viel finden" - genauer will sich Fritz Oßke nicht auf optimale Gebiete für die Schwammerl-Jagd festlegen. Der Pilzsachverständige berät seit 24 Jahren Sammler, ob der Inhalt ihrer Körbchen in den Kochtopf oder auf den Müll wandern sollte. Bei der wöchentlichen Sprechstunde im Haus Natur und Umwelt im Waldpark Wuhlheide warten die Sammler gespannt Oßkes Urteil ab. "Ungenießbar" oder "hochgiftig" lautet dies oft gerade bei den prachtvollsten Exemplaren. "Es ist auch schön, einfach mal an die frische Luft zu kommen", scherzt Doris Key, als Oßke den Inhalt ihrer mühsam gefüllten Papiertüte wieder ins Gebüsch befördert. Bei anderen Gewächsen nickt Oßke zustimmend: "Gut mit Schmorgurken süß-sauer!", freut er sich mit einem Täublings-Finder. Der Fachmann hat auch Tipps parat, wie Ungenießbares gar nicht erst im Körbchen landet. So sei es wichtig, Pilze herauszudrehen statt sie abzuschneiden, denn erst anhand ihrer Knolle ließen sich manche Arten eindeutig bestimmen. "Viele Laien wissen gar nicht, dass es auch giftige Champignons gibt", warnt der 73-Jährige. Diese ließen sich an der gelben Knolle erkennen. Selbst der Fliegenpilz ist nicht so einfach zu identifizieren, wie sich das mancher Laie vorstellt. Die vermeindlich charakteristischen weißen Punkte können von einem Regenguß abgewaschen werden. "Dann wird der Fliegenpilz leicht mit einem Täubling verwechselt", erklärt der Experte. Einige der 160 Täublings-Arten lassen sich übrigens am Geruch erkennen. "Riechen Sie mal", fordert Oßke die Pilzjäger auf. Zum allgemeinen Erstaunen duftet der Zedernholz-Täubling nach frisch gespitztem Bleistift, während beim Herings-Täubling ein Hauch von Fisch wahrzunehmen ist. "Ich treffe immer wieder Leute, die sagen, dass sie alle Pilze erkennen. Das ist Blödsinn, schließlich gibt es in Mitteleuropa 3500 Arten", stellt Oßke klar. Wer einen unbekannten Pilz zur weiteren Bestimmung mitnehmen will, sollte ihn getrennt aufbewahren, damit keine Sporen eines Giftpilzes auf eßbare Exemplare fallen. Nie sollten Plastiktüten zum Transport eingesetzt werden, da Pilze in feuchtwarmer Luft schnell verderben. Die Strahlenbelastung hält Oßke in Berlin und Umland für unbedenklich, was das Landesumweltamt bestätigt. Neben stark befahrenen Straßen sollte hingegen nicht gesammelt werden, da sich Schadstoffe in den Pilzen anreichern.

Einen Liebling unter den vielen Arten hat Oßke nicht. Er sammelt nach der Devise: "Je mehr Arten, desto bekömmlicher das Pilzgericht".

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