Berlin : Pisa-Plötzen

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VON TAG ZU TAG

Andreas Conrad setzt alle pädagogische Hoffnung auf die Angelrute

Zweifellos ist Angeln pädagogisch wertvoll, schon bei kleinen Kindern. Sobald sie eben in der Lage sind, eine Rute mit Magnet halbwegs präzise über einem PappAquarium zu halten. Fingerfertigkeit wird geübt, und das Kind erfährt zugleich, wie nah Hauptgewinn und Niete im Leben einander sind. Sie glaubten, einen Hecht am Haken zu haben, doch es war nur ein alter Schuh. Den meisten Menschen geht die frühe Angelleidenschaft bald verloren, und sie erheben sich nie wieder über das statt dessen entwickelte Faible für Fische in panierter Stäbchenform. Die Aufnahme des Angelns in den Fächerkanon brandenburgischer Schulen kann also nur als ein Experiment mit ungewissem Ausgang gelten. Zunächst ist es eine überraschende Antwort auf die bekannten Bildungsdefizite deutscher Schüler. Wobei unklar bleibt, ob sich deren Begeisterung für Superstars und Counterstrike-Spiele mittels Plötzen und Zandern in wünschenswertere Bahnen lenken lässt. Allerdings ist die hiesige Fischpopulation nicht zu unterschätzen. Zwar gibt es weder Piranhas noch den Weißen Hai, die als Counterstrike-Alternativen denkbar wären. Aber tauchen nicht immer mal wieder nie ganz bestätigte, aber auch nie ganz dementierte Meldungen auf über riesenhafte Welse in den Grunewaldseen? Hier gilt es anzusetzen: Schon wird die langweiligste Schulstunde zum fesselnden Abenteuer.

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