Berlin : Pistolenkugel als wichtigstes Indiz

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Als einer der mutmaßlichen Täter nach der Festnahme die Hose runterlassen musste, bestätigte sich ein Hinweis: Ibrahim El-A. hatte eine relativ frische Narbe am Gesäß. Und im Oberschenkel steckte die Kugel. Das Projektil wurde per Gerichtsbeschluss herausoperiert – und es bestätigte sich, dass es aus der Waffe eines der Geldboten stammt, die im Mai 2005 am Savignyplatz überfallen wurden. Ein Geständnis des 23-Jährigen aber hörten weder die Ermittler noch das Gericht, das seit gestern gegen die mutmaßlichen Räuber verhandelt.

Neben El-A. müssen sich zwei libanesische Brüder und ein gebürtiger Syrer mit deutschem Pass verantworten. Bis zum Überfall waren sie Freunde. Zum Prozess aber wurde einer der Angeklagten von Personenschützern und mit kugelsicherer Weste unter dem Pullover in den Saal geführt. Der 22-jährige Fares C. hatte ausgepackt. Während die anderen schwiegen, wiederholte er auch vor Gericht sein Geständnis. Nach Angaben von C. überfielen die drei anderen einen Geldtransport, während er auf Anweisung eines der Brüder am Steuer eines angemieteten Fluchtautos in einer Seitenstraße warten sollte.

Drei der Täter sollen auf zwei Geldboten zugegangen sein, die in einer Bankfiliale einen Automaten bestücken wollten. Einer der Wachleute wurde weggestoßen, der andere bekam einen Schlag auf die Hand, so dass eine Kassette mit 125 000 Euro zu Boden fiel. Nach Version von C. war es ein spontaner Überfall. Sie seien zunächst spazieren gefahren. Mahmoud W. habe dann „etwas beobachtet“ und sei mit seinem Bruder und Ibrahim El-A. ausgestiegen. Fares C. sagte, dass nur die Brüder zurück zum Auto gekommen seien. El-A. habe er erst am nächsten Tag „humpelnd“ wiedergesehen. Fares C. will lediglich 10 000 Euro von der Beute erhalten haben. „Die sind weg“, erklärte er nun. „Ausgegeben für Klamotten und so.“ Nach dem Überfall reiste er nach Syrien, um zu heiraten. Im September wurde er jedoch in Griechenland festgenommen. Die Ermittler waren ihm über das Mietauto auf die Spur gekommen. K. G.

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