Berlin : „Pittis“ Papa wird heute 80

Heinz Schröder ist die Stimme des kleinen Kobolds aus dem Sandmännchen

In Schöneiche bei Berlin feiert heute ein Mann seinen 80. Geburtstag, ohne den seit mehr als 45 Jahren Kinder nicht ins Bett gehen. So lange verleiht der Puppenspieler Heinz Schröder schon dem kleinen braunen Kobold im Fernsehen seine Stimme, der als „Pittiplatsch, der Liebe“ Kultstatus erreichte. Generationen von DDR-Bürgern saßen als Kinder abends zehn vor sieben gespannt vorm Fernseher, um beim Abendgruß des Sandmännchens mit Pittiplatsch und seinen Freunden – der Ente Schnatterinchen, Herrn Fuchs, Onkel Uhu, Frau Igel oder dem Bären Bummi – ein Abenteuer im Märchenwald zu erleben.

Dazu lädt Pittiplatsch bis heute ein. Beim „Sandmännchen“ im MDR, RBB und Kinderkanal überlebte der Frechdachs sozusagen als Konserve – werden seit der Abwicklung des DDR-Fernsehens doch keine neuen Geschichten mehr mit Pittiplatsch gedreht. Der legte sich trotzdem nicht aufs verdiente Altenteil, sondern tourt stattdessen seit 1993 mit seinen Freunden durch die Lande – was heißen soll, mit dem Rentner Heinz Schröder. Etwa 120 Auftritte hat der in Friedrichshain aufgewachsene Puppenspieler noch immer jährlich mit seiner „Pittiplatsch“-Familie – ohne die er sich sein Leben nicht vorstellen kann. Viele seiner Zuschauer offensichtlich auch nicht. In manchen Gastspielorten sollen da oft mehr Große als Kleine in den Reihen sitzen – sozusagen auf nostalgischem Trip in ihre Kindheit mit „Pittiplatsch, dem Lieben“.

Der Mann hinter ihm hatte eigentlich technischer Zeichner gelernt. Das wurde nach dem Krieg aber ein Frauenberuf. So jobbte Heinz Schröder als Fensterputzer und Rangierer, bevor er über ein Laientheater zum DDR-Fernsehen kam und dort ab 1957 in der Sendung mit „Meister Nadelöhr“ Figuren wie den Bären Bummi sprach. Ab 1962 wurde mit Schröders Stimme dann „Pitti“ zum Fernsehstar, beliebt auf beiden Seiten der Mauer.

Die markante Tonlage entstand damals durch Zufall. „Ich kann nicht mehr“, soll der Puppenspieler nur noch gekrächzt haben, als er eine Nacht lang an der Stimme für die neue Kinderfernsehfigur probte. „Genau die ist es“, befand damals der Regisseur. hema

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