Berlin : Pizza Pogo

Die These: In Italien wird gern und laut gesungen und gern und gut gegessen. Der Beweis: An diesem Freitag steigt das dritte Festival „Punk Italia“ – organisiert von einem Restaurantbesitzer

Ariane Bemmer

Als Sänger Sebi von der Bühne fiel und sich die Hand verletzte, war klar, dass nichts wird aus dem Auftritt von „Derozer“ im SO 36. Und schon am nächsten Tag fragten fünf Bands an, ob sie einspringen dürfen. Die Bands haben aus Italien angerufen, italienische Punkbands, und sie wollten gerne dabei sein beim diesjährigen „Punk Italia“. So bekannt ist das Musik-Festival schon geworden. Dabei findet es erst zum dritten Mal statt.

Beim ersten Punk-Italia-Festival 2001 kamen etwa 700 Leute ins SO 36, beim zweiten war der Laden in der Kreuzberger Oranienstraße voll. Mit Punk-Fans, Italien-Fans und sonstigen Musikfreunden. Das diesjährige Festival ist seit dem Frühjahr im Planungskalender des SO36 eingetragen. „Punk Italia/Mauro“ steht da. Mauro, das ist Mauro Brocco, um die 40, seit 20 Jahren in Berlin und in Kreuzberg bekannt als Besitzer des „Casolare“ – und damit für große Pizzen und karierte Tischdecken, für Punkband-Poster und Musiker-Autogramme an den Wänden und Schlangen vorm Eingang. Er organisiert die Festivals. Und freut sich, dass immer mehr Berliner zur Kenntnis nehmen, dass es italienische Musik jenseits von Eros Ramazotti oder „O sole mio“ gibt.

Im Sommer hat er ein zweites Restaurant in Prenzlauer Berg eröffnet – und damit dort auch bald viele Autogramme stehen, werden die Bands in diesem Jahr vor ihrem Festival-Auftritt im „I Due Forni“ gefüttert. Das gemeinsame Essen gehört dazu. Das Festival ist größer geworden, aber familiär geblieben. Deshalb werden beide Restaurants heute auch um 22 Uhr geschlossen. Die Belegschaften gehen geschlossen zum Konzert.

„Wir wollen mit ,Punk Italia’ kein Geld verdienen“, sagt Mauro Brocco. Er holt die Bands hierher und bringt sie unter, dafür spielen die ohne Honorar. Damit die italienischen auch Berliner Bands kennen lernen, ist das Festival auch ein bilaterales Musikertreffen. Von den sechs Bands kommen vier aus Italien, zwei aus Berlin. Die Idee ist, dass so Kontakte geknüpft werden und Berliner Bands mal als Vorgruppen nach Italien eingeladen werden. Ist schon vorgekommen, sagt Brocco.

Das erste Konzert hat er mit Hilfe seines Bruders organisiert, der in Italien wohnt und eine Band kannte, die Bands kannte. Da „Punk Italia 2001“ gut ankam, ging im zweiten Jahr alles ganz einfach. Sogar „Banda Bassoti“ waren da, die in Italien Hallen füllen, die sechsmal so groß sind wie das SO 36. In diesem Jahr wären „Derozer“ der Top-Act gewesen, aber die können ja nun nicht. Aber „Bambole di pezza“ sind da, eine Frauen-Punkrock-Band, deren Plakat so aussieht, als würde mindestens ein Leoparden-BH ins Publikum fliegen. Oder „Persiana Jones“, die aus Torino kommen und Skapunk spielen.

Voraussetzung für eine Einladung zum Festival ist, „dass die Bands in Italien bekannt sind“. Zur Zeit sind das vielleicht sogar mehr als hierzulande. „Die rechte Berlusconi-Regierung verschafft auch den linken Punkgruppen großen Zulauf“, sagt Brocco. Sie sei auch Ursache dafür, dass die Texte wieder politischer würden. Bei der schnellen und lauten Musik allerdings ein eher theoretischer Genuss. Sebi, der verunfallte „Derozer“-Sänger, hat mal gesagt: In welcher Sprache man Punk singt, ist egal, weil am Ende sowieso kaum jemand was versteht. Den Beweis treten nun andere an.

Punk Italia ’03, ab 20 Uhr im SO 36, Oranienstraße 190, Karten 12 Euro, erm. 10,50 Euro

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