Berlin : Pläne für Atomkraftwerk in Polen werden konkreter

Jens Mattern

Schwerin - Polen scheint nun sein erstes Atomkraftwerk ernsthaft in Angriff zu nehmen. Nach Angaben der Zeitung „Rzeczpospolita“ liegt ein strategisches Papier des Wirtschaftsministeriums vor, welches zu einem Bau des Kraftwerks innerhalb von 12 bis 15 Jahren rät. Gegenwärtig wird die Stromgewinnung des Landes zu 90 Prozent aus Steinkohle gedeckt. Doch diese Quelle wird zunehmend teurer, auch, weil die EU den Kohlendioxidausstoß durch weitere Auflagen einschränken will.

Die brandenburgische Landesregierung hatte sich bereits vor zwei Jahren gegen ein AKW in dem Nachbarland ausgesprochen, als die Pläne zum ersten Mal bekannt wurden. Als ein Standort des Kernkraftwerks ist die Gemeinde Gryfinow an der Oder, unweit von Schwedt, im Gespräch.

In Polen soll eine umfassende Kampagne dem Bau des Kraftwerks vorangehen. Zur Diskussion über den Sinn der nuklearen Stromgewinnung ist bereits ein Internetforum freigeschaltet.

Denn mit Polens schnell rebellisch gestimmter Bevölkerung kann es zu heftigen Auseinandersetzungen kommen. Zum einen soll nun die bisher staatlich betriebene Kohleförderung privatisiert werden, was Entlassungen zur Folge haben dürfte. Die Gewerkschaften der Bergarbeiter sind für ihre gewalttätigen Demonstrationen vor polnischen Regierungsgebäuden gefürchtet.

Zum anderen lehnen 56 Prozent der Polen ein Atomkraftwerk ab. Und: Polen hat keine Erfahrung im Bau einer solchen Anlage, wie Jan Poprzyk von der Technischen Universität in Katowice (Kattowitz) sagt. Jens Mattern

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