Berlin : Plakat-Aktion: PRO von Gerd Nowakowski

Still ruht der See vor der malerischen Bergkulisse. Deutsche Idylle. Keine Menschenseele stört den Frieden der Landschaft. Außer der Spruch: "den holocaust hat es nie gegeben". Das zerreißt die Ruhe - auch derer, die den See still ruhen lassen wollen, die "über fünfzig Jahre danach" endlich mal einen Schlussstrich haben wollen.

Zum Thema Ted: Ist die Holocaust-Leugnung geeignet, um Spenden für das Mahnmal zu sammeln? Der scharfe Gegensatz zwischen dem friedvollen Bergpanorama und dem harten Spruch provoziert, soll herausfordern. Soll Kontroversen anregen und Auseinandersetzungen mit einer Vergangenheit, die nicht zu Ende ist. Missverständlich? Möglicherweise. Doch jener Betrachter, der mit Hinweis auf die Aktion am Brandenburger Tor die "Auschwitz-Lüge" verbreiten möchte, der braucht ein solches Plakat nicht als Vorlage, der hat das Gedankengut schon fertig im Kopf, vor dem das Riesenposter am Pariser Platz warnen will. Die täglichen Meldungen über antisemitische Vorfälle und neonazistische Attacken sind deswegen nur der Kommentar zur Aussage des Posters, mit dem Spenden für den Bau des Mahnmals gesammelt werden sollen.

Provozieren um der Provokation willen, so wie Benetton mit Schock-Bildern allein um des Strickwaren-Absatzes willen geworben hat? Oder der Aktionskünstler Flatz mit dem Abwurf einer toten Kuh? Nein. Der Holocaust ist ein unvergängliches Verbrechen der Deutschen, an das ein Mahnmal erinnern wird wie eine schmerzende Narbe. Wie das Plakat den Betrachter herausfordert, auch den, der widerwillig sich abwenden möchte, so wird es das Mahnmal tun. Immer wieder erinnert zu werden, das schmerzt. Und soll es auch.

Still ruht der See auf dem Plakat. Und auch das Stelenfeld des Mahnmals wird einst still in der Sonne liegen.

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