Berlin : Plakat-Aktion: Provozieren erlaubt - für einen guten Zweck?

Katja Füchsel

Noch wirken viele irritiert. Manche Fußgänger bleiben vor dem neuen Riesenposter am Pariser Platz stehen, andere treten näher, um auch das Kleingedruckte zu lesen. "den holocaust hat es nie gegeben", steht in weißen Lettern inmitten einer Berglandschaft. Und klein darunter: "Es gibt immer noch viele, die das behaupten. In 20 Jahren könnten es noch mehr sein. Wählen Sie 0190-004500, und es werden fünf DM von Ihrer Telefonrechnung abgebucht." Doch nicht bei allen Passanten trifft die Alpenidylle mit dem provokanten Spruch auf Zustimmung. Irritierend ist das Plakat, sagen die einen. Missverständlich, monieren andere.

Zum Thema Ted: Ist die Holocaust-Leugnung geeignet, um Spenden für das Mahnmal zu sammeln? Bei der Vorstellung des Plakats hingegen hörte man nur Positives über die Aktion, mit dem der "Förderkreis zur Errichtung eines Denkmals für die ermordeten Juden" eine bundesweite Spendenkampagne für das geplante Holocaust-Mahnmal einleitete. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sagte: "Wenn man mit einem Plakat etwas bewirken will, muss man heute auch provozieren." Und Alexander Brenner, der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, bekräftigte: "Wir stehen voll hinter dem Plakat."

Lea Rosh, die Förderkreis-Vorsitzende, betonte, dass das Denkmal auf jeden Fall mit 50 Millionen Mark des Bundes gebaut wird. Der Förderkreis hatte sich zu einem Beitrag von fünf Millionen Mark verpflichtet. "Davon haben wir erst eine Million", sagte Rosh. Die angestrebten fünf Millionen Mark an Spenden sollen in die elektronische Ausrüstung des auf dem Gelände geplanten Dokumentationszentrums investiert werden. Dort werden später auch die Namen von 4,5 Millionen Holocaust-Opfern dokumentiert, die von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem zur Verfügung gestellt werden. Der provozierende Text ist nach Roshs Worten mit dem Kuratoriums-Vorsitzenden Wolfgang Thierse und mit Vertretern der Jüdischen Gemeinde besprochen worden.

Die Kritiker argumentieren, dass die Berglandschaft bei den Nazis große Freude auslösen könnte: Weil Vertreter der Auschwitz-Lüge nun gedruckt sehen, was sie schon immer behauptet haben. Anführungszeichen und Kleinschreibung allein brächten nicht die notwendige Distanzierung.

Erst vor einigen Wochen hatte eine Kampagne des Landessportbundes (LSB) eine heftige Kontroverse ausgelöst. "Kraft durch Freunde", stand beispielsweise auf den Plakaten des LSB - auf schwarzem Grund, mit Fraktur geschrieben. Oder: "Schlagt uns!" Mit der Plakat-Kampagne wollte der LSB Jugendliche zu mehr Toleranz aufrufen. Die Anlehnung an Neonazi-Parolen sei mit voller Absicht gewählt, sagte der Sprecher des LSB, Heiner Brandi. "Rassistischen und fremdenfeindlichen Tendenzen kommt man eben nicht mit Tabuisieren bei."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben