Berlin : Planenstreit: Bezirk ordnet Enthüllung an

Museumschefin soll Kontrollhäuschen am Checkpoint Charlie bis Montag freigeben

Ingo Bach

Im Streit um das verhüllte Kontrollhäuschen am Checkpoint Charlie hat das zuständige Tiefbauamt von Friedrichshain-Kreuzberg jetzt ein Ultimatum gestellt. Entweder werde die Plane um die Baracke bis spätestens Montag wieder entfernt, schrieb die Behörde an die Chefin des Mauermuseum, Alexandra Hildebrandt, oder man werde das selbst tun, notfalls mit Hilfe der Polizei. Außerdem drohte das Tiefbauamt bei Zuwiderhandlung mit einer Geldbuße von bis zu 10 000 Euro.

Diese Auflage resultiere aus der Sondernutzungserlaubnis für öffentliches Straßenland,die das Museum für die auf der Friedrichstraße aufgestellte Baracke besitzt, sagte der Baustadtrat des Bezirkes, Franz Schulz, dem Tagesspiegel. „Nach Einschätzung unserer Juristen und der Senatsbauverwaltung sind wir auf der rechtlich sicheren Seite.“

Nun wird das Gezerre um den Nachbau des Kontrollhäuschen zum Fall für die Juristen, denn auch Museumschefin Hildebrandt hat gestern Anwälte eingeschaltet und Widerspruch gegen den Bescheid eingelegt.

Hintergrund ist, wie berichtet, ein heftiger Streit Hildebrandts mit drei Schauspielstudenten. Diese lassen sich – kostümiert mit Uniformen der Alliierten oder der DDR-Volkspolizei – gegen Gebühr von Touristen am Checkpoint Charlie fotografieren. Hildebrandt sieht darin eine Verletzung der Würde des Ortes, der dem Gedenken an Mauer und Kalten Krieg diene – und ließ den Nachbau des Kontrollhäuschens in eine blaue Plane packen, um den Schauspielstudenten das Geschäft zu vermiesen.

Diese hätten sich seit Freitagvormittag aber nicht mehr blicken lassen, sagt Hildebrandts Anwalt, Claus-Peter Martens. Und wenn Tiefbauamt und Senatsbauverwaltung bis Montag mitteilten, dass die drei Männer keine Gnehmigung für ihre Geschäfte besäßen, dann werde man die Plane auch sofort entfernen. Diesem Kompromiss hat sich nach anfänglichem Widerstand auch Hildebrandt angeschlossen. „Wenn die drei keine Erlaubnis haben, dann muss die Polizei aber auch gegen sie vorgehen.“

Entgegen ihrer ursprünglichen Absicht hat sich jetzt auch die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) eindeutig zu dem Fall geäußert. „Der Checkpoint Charlie ist ein Ort, an dem die Teilung der Stadt in Erinnerung gerufen wird und kein Platz für Mummenschanz“, sagte Senatorin am Freitag. Die Männer in Uniform, aber vor allem die Reaktion des Museums hätten „nachhaltige negative Reaktionen in der Öffentlichkeit ausgelöst“. Junge-Reyer kündigte eine „entsprechende Kontrolldichte der Verkehrspolizei“ an, um „die uneingeschränkte Straßenverkehrsfunktion an der Friedrichststraße durchzusetzen“. Dies richte sich auch gegen die illegalen fliegenden Hädler an diesem Ort. Um den Verkehr an dem von vielen Touristen besuchten Ort sicherer zu machen, werde an dem Häuschen ein Zebrastreifen angelegt.

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