Planungsfehler behoben : Fußgängerbrücke wieder stromfrei

Auf einer Schöneberger Brücke bekamen Fußgänger einen Schlag, wenn sie das Geländer berührten. Den Bezirk störte das zunächst nicht. Heute morgen wurde die Crellepromenade lackiert und entladen.

Ralf Schönball

Schöneberg ist um eine Attraktion ärmer: Die „Elektrobrücke“ wird entschärft. Wie berichtet hatten sich Passanten wiederholt über kleine „Stromschläge“ beklagt, die sie bei der Berührung des Handlaufs aus Edelstahl traf. Das auf Berliner Straßen und Gehwegen ganz besondere Erlebnis wird laut Bezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD) kurzfristig abgeschafft: „Wir haben gestern einen Klarlack aus der Autoindustrie an dem Geländer aufbringen lassen“, sagte er. Mit der Farbe werden für gewöhnlich Autofelgen antistatisch behandelt. Als zusätzliche Maßnahme werde man Aluminiumbleche auf der Brücke befestigen.

Die Brücke verbindet den neuen S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke mit der Crellestraße und wird in dem Viertel gerne genutzt, weil sie auch eine Abkürzung zum U-Bahnhof Kleistpark bietet. Das Gerüst der Brücke besteht aus Edelstahl, die Planken aus Recyclingkunststoff. Wer Schuhe aus Kunststoff trägt und über die Brücke schlurft, lädt sich elektrostatisch auf – und entlädt sich bei Berührung des Handlaufs.

Der Sondereinsatz der Malerkolonne an der Crellepromenade scheint Wirkung zu zeigen. Kollegen, die die Brücke auf der Suche nach dem zündenden Funken aufsuchten, meldeten enttäuscht: „Die Spannung ist raus.“ Bevor der neue Anstrich aufgebracht war, fuhren Schönebergern bis zu 1000 Volt in die Glieder, so die Einschätzung des Landesamtes für Technische Sicherheit. Gesundheitliche Gefahr gingen wegen der Kürze des Schlags nicht von dem denkwürdigen Bauwerk aus. Dahinraffen könne der Stromschlag allenfalls technische Geräte: Bauteile von PCs oder Handys. Für Stadtrat Schworck ist nach dieser Erfahrung eins aber klar: „Für Gehwege kommen in diesem Bezirk Kunststoffplanken künftig nicht mehr in Frage.“

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