Berlin : Planungswirrwarr um S-Bahn: Keiner weiß, wohin die Reise geht

Längere und teurere Umbauten am Ostkreuz und in Charlottenburg

Klaus Kurpjuweit

Ob am Ostkreuz, am Alexanderplatz oder am S-Bahnhof Charlottenburg: Beim Planungschaos ist Berlin Spitze. Fehlende Abstimmungen und nachträgliche Änderungen kosten zusätzliches Geld und bringen Zeitpläne durcheinander. Führend dabei ist die Stadtentwicklungsverwaltung unter Senator Peter Strieder (SPD).

Am S-Bahnhof Charlottenburg droht die Bahn inzwischen, ihre Pläne zur Verlegung der Bahnsteige in Richtung U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße aufzugeben. Die Strecke der S-Bahn zwischen Charlottenburg und Zoo ist bereits seit dem 24. Februar gesperrt. Dort werden die Gleise erneuert. Gleichzeitig sollte der Bahnhof umgebaut werden. Doch die Arbeiten dafür haben bis heute nicht begonnen. Nur die Bäume an der Böschung wurden schon gefällt.

Als Ausgleich sollte auf dem Platz vor dem Bahnhof eine Grünfläche entstehen. Doch erst unmittelbar vor Beginn der Arbeiten bemerkten Bahn und Stadtentwicklungsverwaltung, dass sie sich noch nicht über den Preis eines Grundstücks geeinigt hatten, das die Bahn für die Grünfläche abgeben soll. Seither wird gestritten statt gebaut. Auch ein Gutachter brachte die Kontrahenten nicht zusammen; er ermittelte für verschiedene Szenarien Werte zwischen einer und 3,5 Millionen Euro.

Kommt es bis Ende dieses Monats zu keiner Einigung, will die Bahn auf die Verlegung der Gleise verzichten und sie in ihrer alten Lage erneuern. Denn Ende des Jahres soll die Sperrung der Strecke aufgehoben werden. „Das ist aber nur möglich, wenn jetzt zügig gebaut wird“, sagte der Sprecher der DB Projekt Verkehrsbau, Michael Baufeld. Auch gebe es später kein Geld vom Bund mehr für das „Umklappen“ der Gleise, wenn man sich doch noch dafür entscheiden würde.

Die Bahn erwägt außerdem bereits Klagen auf Schadensersatz für die bisherigen Planungsaufwendungen. Hier kontert die Senatsverwaltung mit dem Hinweis, sie habe den Umbau des Bahnhofs noch gar nicht förmlich bestellt. „Ohne Bestellung hätten wir das Genehmigungsverfahren gar nicht einleiten können“, sagt dagegen Baufeld. Möglicherweise müsse auch hier ein Gericht entscheiden, ob eine Bestellung vorliegt oder nicht.

Planungswirrwarr führt auch am Ostkreuz dazu, dass sich die Sanierung der maroden Anlagen weiter verzögern kann. Der Genehmigungsbeschluss sollte 2004 vorliegen; die erforderlichen Anhörungen sollten deshalb jetzt beginnen. Nun hat die Stadtentwicklungsverwaltung aber nach Baufelds Angaben ihre Planungen für die Autobahn in diesem Bereich kurzfristig geändert. Die Hauptstraße unter der Bahnbrücke solle jetzt vier- statt zweispurig werden. Da dafür eine Planungsänderung erforderlich sei, könne die Anhörung erst im Herbst erfolgen, sagte Baufeld. Entsprechend später würden die Arbeiten am Ostkreuz beginnen, die schon jetzt jahrelange Verspätung haben.

Mehrkosten verursacht auch der von Strieder kurzfristig angeordnete Baustopp für die Straßenbahn-Verlängerung vom so genannten Mollknoten über die Karl-Liebknecht-Straße zum Alexanderplatz. 4,3 Millionen Euro sind dort bereits verbuddelt – vorwiegend für Leitungsarbeiten. Jetzt muss die BVG nicht nur, wie berichtet, eine bereits herausgerissene Kurve wieder einbauen, um den alten Zustand herzustellen. Kosten: 200 000 Euro. Zudem müssen die vorhandenen Gleise und Weichen in ihrer derzeitigen Lage erneuert werden. Wird die Verlängerung eines Tages doch weitergebaut, sind an der Kreuzung wieder teure Umbauten erforderlich.

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