Berlin : Platt gemacht

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VON TAG ZU TAG

Lothar Heinke blickt

zum letzten Mal auf den Luisenblock

Es war ja wirklich nur noch eine Frage der Zeit, wann diese Meldung kommt: Die letzten drei Mieter im Wohnblock Luisenstraße / Ecke Schiffbauerdamm haben ihre Klagen gegen die Enteignung ihrer Mietrechte zurückgezogen, weil sie einsehen mussten, dass Müller, Meier, Schulze gegen die Oberfinanzdirektion als verlängertem Arm des Bundes auf Dauer machtlos sind. David hat Goliath ein bisschen geärgert, drei blieben stur, vielleicht haben sie noch ein wenig rausgeschlagen, Vater Staat hat’s ja und zahlt eh Umzug und Entschädigung für die 172 Familien, sechs Millionen Euro plus eine Million für den Abriss, der bald beginnt.

Das Todesurteil für die „Luise“ war längst gesprochen, als die strahlend schönen Bundestagsbaukästen aus Glas und Beton hinter den Balkonen der Luisianer in die Höhe wuchsen. Die 172 Familien leben seit 13 Jahren in dem weiß Gott nicht gerade begeisternden braunen Plattenbau am Ufer der Spree, aber so schlecht, dass man einem 13 Jahre alten Wohnblock mit der Abrissbirne zu Leibe rückt, war er nun auch nicht.

In Marzahn und auch in Mitte gibt es Hunderte von Beispielen für gelungene Modernisierungen der Fassaden der „Platte“, in der es sich übrigens ganz gut leben lässt. Aber dazu muss man wollen wollen – und die Luise wollte man eigentlich nur weg haben. Das Haus und seine Mieter wären ein schöner Kontrapunkt zu den heimattümelnden, dümmlichen Ostalgie- Shows. Denn auch das ist der Osten: Leute, die von der Demokratie erwarten, dass die Worte der Mehrheit Gehör finden und die am Ende bitter enttäuscht das Feld räumen – vor der Arroganz der Macht, mitten im Regierungsviertel.

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