Berlin : Plattenbau Luisenstraße: Der Vermieter will sein Haus nicht mehr

David Ensikat

Wenn es nach dem Vorstellungen des Bundesfinanzministeriums ginge, hätte Sven Natusch umsonst durchgehalten. Seit drei Jahren erträgt er den Baulärm der Bundestagsbaustelle hinter seinem Haus. Nun wird es langsam leiser - und er soll möglichst bald ausziehen.

Das Ministerium hat die Sache mit dem Plattenbau an der Luisenstraße mal durchgerechnet: 15,5 Millionen Mark würde eine Sanierung des zehn Jahre jungen Hauses kosten. Abriss plus Umsetzung von Sven Natusch und der anderen noch dort wohnenden Mietern wäre viel billiger: acht Millionen Mark. 60 Leute wohnen noch hier, die anderen sind schon längst vor dem Krach und dem Staub geflüchtet.

Über die DDR-Neubauten mit den 162 Wohnungen haben gestern Abgeordnete des Bundestages beratschlagt: Der Haushaltsausschuss diskutierte über den Abrisswunsch des Finanzministeriums. Ein abschließendes Ergebnis steht aber immer noch aus. Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt... Und Sven Natusch weiß von nichts. Die Mieter sind bislang über die neue Diskussion nicht informiert worden. Vor Jahren, als man schon einmal über den Abriss redete, hieß es am Ende: Entwarnung, das Mietshaus bleibt stehen. Für den Abriss waren damals vor allem die Stadtplaner und Architekten: Die neuen Bundestagsbauten sollten mindestens bis an die Luisenstraße heranreichen, die Platte war im Weg. Da die Platte aber außerdem noch voller Mieter war, trauten sich die Herren der Entscheidung nicht "Reißt sie ab!" zu rufen.

Nun sind die meisten Mieter raus, und die Karten werden neu gemischt. Dabei rechnet das Finanzministerium bei seinen 15,5 Millionen Mark mit ausgesprochen hohen Sanierungskosten. Das Stadterneuerungs- und Planungsunternehmen S.T.E.R.N. meint, man könnte den Bau auch für 10 Millionen herrichten.

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