Berlin : Plattenbau-Schulen: Modelle gegen die Miefigkeit

Steffi Bey

Noch sind sie meist die Schandflecke in den sanierten Neubaugebieten im Ostteil der Stadt - die Plattenbau-Schulen. Anders als bei den Nachbargebäuden, die in neuem Glanz erstrahlen, bröckelt dort der Beton. Dächer sowie Fenster sind undicht, und auch im Innern der zumeist viergeschossigen Häuser sieht es traurig aus. Die Sanitär-, Heizungs- und Elektroanlagen sind kaputt. Doch den Bezirken fehlt das Geld, um diese Mängel zu beseitigen. Hellersdorf würde beispielsweise rund 80 Millionen Mark benötigen, um alle 46 Plattenbauschulen wieder fit zu machen. Zur Verfügung stehen davon aber gerade mal zwei Prozent. Neue Ideen und Finanzierungsmodelle sind deshalb gefragt.

Denn unter dem "miefigen Charme der Schulen" litten nicht nur die Schüler und Lehrer, sondern auch Ansehen und Attraktivität der Wohngebiete, sagte Lichtenbergs Bürgermeister Wolfram Friedersdorff (PDS) auf einer Veranstaltung im Rathaus an der Möllendorffstraße. Auf Initiative des Bezirks stellten Unternehmen ihre Projekte zum Umbau der Plattenbauschulen vor. Das Prinzip: Aus einer abrissbedrohten Schule entsteht ein modernes Haus, das mit einem Neubau vergleichbar ist, aber nur die Hälfte kostet. Architekt Klaus Brüggemann geht davon aus, dass in einen Umbau ungefähr zehn Millionen Mark fließen. Sein Büro Machtemes & Brüggemann hat einen Vorschlag für die Sanierung der Heinrich-Grüber-Grundschule in Hellersdorf erarbeitet. Dabei soll unter anderem ein Geschoss abgetragen werden und eine Dachterrasse entstehen.

Ein ähnliches Konzept legte das Ingenieurbüro Uwe Schneider GmbH (IBS) für die 29. Grundschule am Teterower Ring vor. Die beiden viergeschossigen Gebäude sollen zwei Geschosse einbüßen und dafür ein ausgebautes Walmdach erhalten. "Verglaste Giebelflächen öffnen sich auf große Terrassen, die als Klassenzimmer im Freien dienen können", sagt Architekt Günter Stahn. Auch der Eingangsbereich wird mit einer überdachten Treppe neu gestaltet. Im Innern des Gebäudes sind unter anderem Wände mit Fenstern oder Glaswände geplant. Eine Wärmedämmung, neue Fenster sowie Sanitär-, Elektro- und Heizungsanlagen und eine behindertengerechte Ausführung gehören zum Umbaukonzept. "Es ist in Zusammenarbeit mit Schülern und Lehrern entstanden", betont Bernhard Schwarz von IBS.

Noch existieren sämtliche Vorschläge aber nur auf dem Papier, denn die Finanzierung ist unklar. Brüggemann ist allerdings der Auffassung ,"dass die Bezirksämter endlich ihre Berührungsängste überwinden müssten, um auch öffentliche Bauvorhaben privat zu finanzieren." So könnte eine Sanierung beispielsweise über ein Erbbaurecht erfolgen. Das hätte den Vorteil, dass der Bezirk nicht "mit einem Schlag" so viel Geld aufbringen müsste. Zum anderen gebe es die Möglichkeit, mit den Wohnungsbaugesellschaften "bestimmte vertragliche Vereinbarungen" zu treffen.

Hellersdorfs Stadtrat für Stadtgestaltung, Heinrich Niemann (PDS), steht den Vorschlägen durchaus aufgeschlossen gegenüber. Dennoch gibt er zu Bedenken, dass noch viele Detailfragen zu klären seien. "Derzeit weiß niemand, ob die Finanzierungsvorschläge tatsächlich funktionieren." Der Lichtenberger Bürgermeister Friedersdorff will die Anregungen aufgreifen und demnächst mit den Verantwortlichen diskutieren.

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