Berlin : Plattners Kunsthalle kommt ans Schloss

Mäzen will Palast Barberini wieder aufbauen. Kritiker der früheren Baupläne unterstützen das Vorhaben.

von und Peter Tiede
Alter Palast im neuen Potsdam. Diese Simulation zeigt die geplante Kunsthalle im wiederaufgebauten Palast Barberini (vorn, mit Vasen auf dem Dach) in einem Gebäudeensemble. Das Haus soll bereits 2016 eröffnen. So könnte es schon bald an der Humboldtstraße am Alten Markt aussehen, wenn sich auch für die anderen Bauten Investoren fänden. Simulation: promo
Alter Palast im neuen Potsdam. Diese Simulation zeigt die geplante Kunsthalle im wiederaufgebauten Palast Barberini (vorn, mit...

Potsdam - Mäzen Hasso Plattner wird doch in Potsdams historischer Mitte ein Kunstmuseum errichten: Gemeinsam mit dem Berliner Investor Abris Lelbach will der Software-Unternehmer (SAP) den Palast Barberini am Havelufer neben dem Landtagsschloss wiederaufbauen und auf drei Etagen und 4000 Quadratmetern eines der modernsten Museen Europas einrichten – privat finanziert. Das teilten beide Investoren am Mittwoch mit.

Eröffnet werden soll das Gebäude, das gemäß den Vorgaben der Stadt als Leitbau mit historischer Fassade errichtet wird, bereits 2016 – und gleich mit einem Paukenschlag: mit „einer großen Gastausstellung des französischen Impressionismus und Expressionismus“. Dahinter dürften sich schon Werke aus Plattners eigener, geheimnisumwitterter Privatsammlung und anderer vor allem amerikanischer Privatsammler verbergen.

Stadtverwaltung, Politik und Gesellschaft reagierten begeistert. Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sprach gegenüber dieser Zeitung von einem Tag der Freude. Fernsehmoderator und Potsdamer Mäzen Günther Jauch sagte, ein Kunstmuseum im Palast Barberini würde für Potsdam ein „Ende gut, alles gut“ bedeuten. Für sein Engagement „trotz kleingeistiger Widerstände“ gebühre Plattner höchste Anerkennung. Jauch spielte damit auf die ersten Pläne des Mäzens für eine Kunsthalle in der Potsdamer Mitte an, die im vergangenen Jahr gescheitert waren.

Damals wollte Plattner das Hotel Mercure in unmittelbarer Nähe des Barberini-Grundstücks erwerben und an dessen Stelle eine flache, moderne Kunsthalle am Havelufer errichten. Nach heftigen Protesten, vor allem von der Linken, hatte Plattner die Pläne trotz breiter Unterstützung und einer Sympathiedemonstration von mehr als 1000 Potsdamern entnervt aufgegeben und angekündigt, das Museum auf eigenen Flächen am Jungfernsee zu bauen. Aber auch das hatte er intern immer wieder zur Diskussion gestellt – auch, weil er seine Flächen am Jungfernsee verkaufen will und von Potsdam zunehmend entnervt schien. Vor allem am geplanten Abriss des Mercure-Hotels hatte sich der Streit entzündet.

Eine derartige Debatte scheint nun nicht zu befürchten: Linken-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg, ein Kritiker der ursprünglichen Kunsthallen-Pläne, sprach von einer großen Chance, die die Stadt nun ergreifen sollte. „Die Ampeln müssen jetzt auf Grün stehen.“ Plattner selbst war gestern für Stellungnahmen nicht erreichbar. Er hatte schon vorher angekündigt, sich nicht mehr selbst zum Thema zu äußern.

In den Palast Barberini einziehen soll unter anderem die von Plattner eigens für Potsdam angelegte Sammlung mit ostdeutscher Kunst der vergangenen 60 Jahre, unter anderem mit Werken einstiger DDR-Maler wie Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig, Arno Rink, Willi Sitte und Werner Tübke. Auch eine museumspädagogische Einrichtung und ein Museumscafé sind geplant. In einer Etage des Baus solle die Plattner-Sammlung unterkommen, die anderen beiden Etagen seien den Wechselausstellungen vorbehalten, sagte Investor Lelbach.

Am 5. Juni sollen die Stadtverordneten den nötigen Änderungen im Bebauungsplan für das Havelufer zustimmen. So ist wegen der aufwändigen Klima- und Sicherheitstechnik für ein Museum dieses Rangs kein Platz mehr für die genehmigte Tiefgarage. Auch ein direkter Durchgang zur Havel ist aus Sicherheits- und Klimatisierungsgründen nicht mehr möglich. Ein Umweg von 30 Metern, hieß es aus dem Potsdamer Rathaus, sollte angesichts des internationalen Stellenwertes eines solchen privaten Museums kein Problem sein. Jakobs sagte, es gebe keine Einwände zur beantragten Nutzung des Gebäudes. Im Herbst, so Lelbach, soll die Baugrube ausgehoben werden – „als Zeichen, dafür, dass es losgeht“.

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