Plattners Sammlung : Vorschau auf Potsdams neue Kunsthalle

Im Kutschstall eröffnet eine Ausstellung mit DDR-Kunst aus Hasso Plattners Sammlung. Debatte um Stadtmitte geht weiter.

von
Blick voraus.
Blick voraus.

Potsdam - Der Kunstsammler und Software-Milliardär Hasso Plattner zeigt Potsdam, was er der Stadt zu bieten hat: Am heutigen Dienstag wird im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) im Kutschstall am Neuen Markt eine Ausstellung mit 28 Gemälden seiner im Entstehen begriffenen Sammlung ostdeutscher Kunst eröffnet. Bis zum 22. September ist die Schau unter dem Titel „Einblick und Ausblick“ – zu sehen. Der Eintritt ist frei. Versammelt sind Werke von neun Künstlern, darunter Maler der Leipziger Schule wie Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig, Werner Tübke und Arno Rink, aber auch der Westberliner Klaus Fußmann und der 1961 aus der DDR nach Westdeutschland emigrierte Gerhard Richter.

Allein diese Ausstellung –eine erste Vorschau auf Plattners Kunsthallen-Projekt – werde große Resonanz erfahren, ist sich Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sicher. Er hoffe auf eine Fortsetzung mit einer zweiten Ausstellung in der Stadtmitte, bevor die von Plattner geplante Kunsthalle am Jungfernsee eröffnet wird. Von der Kunsthalle verspricht sich Jakobs „internationale Strahlkraft“ für Potsdam. Plattners Entscheidung, den Neubau nicht anstelle des Mercure-Hotels in der Stadtmitte zu errichten, sei „bedauerlich“, er sei aber „stolz und froh“, dass Plattner mit dem Projekt in Potsdam bleibt, sagte Jakobs.

Die von Plattner aufgebaute Sammlung werde die erste ständige Ausstellung ostdeutscher Kunst überhaupt sein, betonte der Berliner Kunsthistoriker Eckhart Gillen, der die Vorschau-Ausstellung im Kutschstall betreut. Noch sei ostdeutsche Kunst in den Museen und Galerien der Republik „praktisch unsichtbar“, sagte Gillen, der die für 2013 geplante große Ausstellung zur DDR-Kunst in Weimar mitkuratiert. Mit Stifter Plattner, der nicht nur seine Sammlung ausstellen, sondern auch die Kunsthalle auf eigene Kosten bauen will, sei Potsdam „glücklich dran“.

Wie berichtet, hatte die Stadt Plattner zunächst den Standort des Hotels Mercure für die Kunsthalle vorgeschlagen. Nach einer ersten Absage hatten gut 1000 Potsdamer, darunter Prominente wie TV-Moderator Günther Jauch, Modeschöpfer Wolfgang Joop und Schauspielerin Nadja Uhl, für eine Kunsthalle im Stadtzentrum demonstriert. Wegen der anhaltenden Kritik am Standort, vor allem von den Linken, entschied sich Plattner schließlich doch für den Campus am Jungfernsee, wo derzeit ein Innovationszentrum der von Plattner mitgegründeten Softwarefirma SAP entsteht.

Jakobs rief zu einer neuen Debatte über die Zukunft der Stadtmitte auf: Mit der Entscheidung Plattners für den Jungfernsee sei die Diskussion um die Mitte nicht abgeschlossen, sondern „allenfalls eingeläutet worden“, sagte er. In den kommenden Monaten müsse die Gestaltung des Lustgartens diskutiert werden: „Steht das Hotel Mercure der weiteren Entwicklung in der Mitte entgegen oder nicht? Diese Frage ist noch unbeantwortet.“ Nach dem Vorschlag der Potsdamer CDU soll die Stadt prüfen, ob und wie sie das 17-geschossige und auf 14 Millionen Euro taxierte Gebäude aus eigenen Mitteln kaufen kann.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben