Berlin : Platz für 1000 Menschen im Riesen-Riesenrad

Attraktion am Zoo soll doppelt so hoch wie das Europa-Center werden Eine Runde dauert 35 Minuten und könnte zwölf Euro Eintritt kosten

Stefan Jacobs

Mit einem Riesenrad fährt man. Mit dem „Aussichtsrad Berlin“ dagegen soll man fliegen. Michael Waiser, Geschäftsführer der World Wheel Berlin Holding, spricht von „Abflughalle“ und „Flugbuchung“, als er das Projekt an diesem Mittwoch erstmals detailliert vorstellt. Angesichts der Dimension des Vorhabens scheint seine Wortwahl angemessen: Einmalige 175 Meter hoch soll das Riesenrad werden, das sich nach den Plänen des Investors ab Mitte 2008 nahe dem Bahnhof Zoo drehen soll. Damit würde ihm das nahe gelegene Europa-Center kaum bis zur Achse reichen. Mindestens 1,5 Millionen Besucher jährlich sollen eine Runde mit dem Rad drehen. Technisch wäre die Tour in 20 Minuten möglich, praktisch sollen es aber 35 Minuten sein. „Kein Rummel, sondern eine bewegte Aussichtsplattform“ sei das Rad, sagt Waiser.

Eingeladen zu der Präsentation hat die Arbeitsgemeinschaft City – offenbar, um den Berlinern einschließlich der Verwaltung das Vorhaben schmackhaft zu machen. Noch muss die Finanzverwaltung dem Verkauf des landeseigenen und vom Zoo genutzten Grundstücks zwischen Busbahnhof und Bahntrasse zustimmen. Da es – zumindest theoretisch – einen weiteren potenziellen Investor gibt, will die Verwaltung demnächst ein „Interessenbekundungsverfahren“ starten, um Chancengleichheit zu wahren. Auch will die Behörde das Finanzierungsmodell streng prüfen, damit das Riesenrad nicht als Invest-Ruine endet. Nach Waisers Angaben ist die Finanzierung „absolut gesichert“. Rund die Hälfte der insgesamt 120 Millionen Euro sollen als Eigenkapital von – nicht genannten – Gesellschaftern und einem Immobilienfonds kommen. Als Referenzobjekt nennt Waiser den im Bau befindlichen „Singapore Flyer“, der fast ebenso groß ist und mit Beteiligung derselben Banken finanziert worden sei, die auch in Berlin mitmischen wollen. Der für den „Singapore Flyer“ aufgelegte Fonds sei nach drei Tagen überzeichnet gewesen.

Während die Finanzverwaltung auch die touristischen Auswirkungen des Vorhabens erst von einem Gutachter klären lassen will, zweifeln weder Waiser noch die Berlin Tourismus Marketing-Gesellschaft (BTM) am Erfolg. BTM-Geschäftsführer Hanns Peter Nerger verweist auf das „London Eye“, dessen Umfeld „in ganz erstaunlichem Maße“ von den täglich rund 10 000 Besuchern profitiere. Waiser nennt das (mit 135 Meter deutlich kleinere) Londoner Riesenrad einerseits als Vorbild, will aber für Berlin ein anderes Konzept. Statt draußen Schlange zu stehen, sollen die Besucher möglichst vorab ihren „Flugtermin“ buchen und in einer Halle einchecken. Bei 40 Gondeln mit Platz für je 28 Personen können rund 1000 Besucher gleichzeitig ihre Runde drehen. Wobei es auch „Sondergondeln“ geben soll – beispielsweise als Restaurant oder als Saal, etwa für Hochzeiten.

Waiser wünscht sich ein Kombi-Ticket, mit dem Besucher sowohl in den Zoo als auch aufs Riesenrad gelockt werden. Eine Vereinbarung stehe noch aus, aber seine Preisvorstellung für den Riesenradflug nennt er schon: zwölf Euro – und für Kinder etwas weniger.

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