Berlin : Platz für Experimente

Der Flughafen Tempelhof hinterlässt eine riesige Freifläche in der Stadt. Was soll daraus werden? Star-Architekten machen Vorschläge

Christian van Lessen

Auf dem Flughafen Tempelhof könnten bis zu 20-stöckige Hochhäuser entstehen. So stellt sich das der Architekt Peter Eisenman vor. Oder einfach eine große Grünfläche mit Siedlungen am Rand, wie es die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung möchte. Oder vielleicht doch von allem etwas? Noch ist unklar, was aus dem Riesengelände nach der Schließung wird. „Es muss eine lange öffentliche Diskussion geben“, sagt Petra Rohland, Sprecherin der Senatsbehörde.

Sicher ist, dass nach dem Potsdamer Platz auch der Flughafen Tempelhof zum städtebaulichen Experimentierfeld wird. Denn wenn Klagen und Proteste von Fluggesellschaften und der Berliner Wirtschaft nichts ausrichten, ist am 30. Oktober nach 80 Jahren Schluss. Noch hoffen die elf in Tempelhof ansässigen Gesellschaften auf den Weiterbetrieb.

Der New Yorker Architekt Peter Eisenman regte auf Nachfrage des Tagesspiegels an, hier einen Stadtteil mit Hochhäusern zu bauen. Für den New Yorker Architekten Daniel Libeskind (Jüdisches Museum) ist „eine Ära beendet“. Der Flughafen sei in einer anderen Zeit gebaut worden, und „niemand soll sentimental über das Ende eines Nazi-Flughafens sein.“ Jetzt solle man positiv mit dem Gelände umgehen, es beispielsweise für kulturelle Zwecke umbauen.

Stephan Braunfels (Bundestagsneubauten) ist für eine Art „Central Park“, also einen zweiten großen Park ähnlich dem Tiergarten. Die Architekten Axel Schultes, Hans Kollhoff und Meinhard von Gerkan, sonst für spektakuläre Bauten bekannt, halten sich mit Tempelhof-Visionen zurück. Sie sind dafür, Möglichkeiten für einen späteren Flugverkehr offen zu halten. Senatsbaudirektor Hans Stimmann glaubt, das richtige Rezept gefunden zu haben: Es geht auf einen Ideenwettbewerb zurück, wurde dann „verfeinert“, ist aber längst nicht beschlossene Sache. Die Verwaltung favorisiert eine Freifläche, ein „Wiesenmeer“, um das sich Wohn- und Geschäftshäuser sowie Sportflächen gruppieren. Erhalten bliebe das lang gestreckte Flughafengebäude, das unter Denkmalschutz steht. Auf dem überdachten Vorfeld könnte es einen „Themenpark Fliegen“ geben, also eine kleine Ausstellung zum Thema.

Die Pläne gelten als Diskussionsgrundlage, Grundstücksfragen sind ungeklärt. Die Senatsverwaltung will auf jeden Fall eine Grünfläche sicherstellen. „Als Kaltluftschneise für die Stadt“, wie Petra Rohland meint. „Richtig zubauen darf man das nicht.“ Worte, die Axel Schultes, der Architekt des Bundeskanzleramtes, nur zu gern hört. Auf den Flughafen gehöre „alles, was kleine Flügel hat“. Das Gelände müsse als Regionalflughafen erhalten bleiben. Auch das „Einmotten“ des Flughafens Tempelhof werde teuer.

Hans Kollhoff, Hochhausplaner am Potsdamer Platz, glaubt, dass der Verkehr mit Geschäftsflugzeugen an Bedeutung gewinnt. Berlin dürfe die Pisten nicht verbauen. Auch Architekt Meinhard von Gerkan (Flughafen Tegel) warnt vor der Schließung. „Das wird man schwer bereuen.“ Zumindest die Start- und Landerechte sollten für eine privatwirtschaftliche Nutzung erhalten bleiben. Die europäische Luftfahrtindustrie könnte in den Bauten „Showrooms“ einrichten. Die Stadt brauche kein Bauland mehr, dürfe Tempelhof aber auch nicht zur Büffelwiese verkommen lassen.

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