Platz da! : Folge 2: Petriplatz

Das getilgte Zentrum: Hier liegt ein Ursprung der einstigen Doppelstadt. Doch der Petriplatz verschwand aus dem Stadtbild. Zwei Neubauten sollen das nun ändern – und dem Platz wieder ein Gesicht geben.

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Derzeit ist der Petriplatz an der Gertraudenstraße in Mitte eine beräumte Fläche.Alle Bilder anzeigen
Kitty Kleist-Heinrich
23.04.2012 13:57Derzeit ist der Petriplatz an der Gertraudenstraße in Mitte eine beräumte Fläche.

Platz ist da, mehr als genug. So wie es auf Stadtbrachen üblich ist. Nur, dass die Leere hier wirklich erschreckend wirkt – Ausgerechnet diese Ödnis soll die Wiege Berlins gewesen sein? Davon ist am Petriplatz nichts zu zu sehen. Die einzige Spur liegt unter einem Blechdach verborgen, dicht über dem Erdboden, versteckt hinter Zäunen. Das Provisorium schützt die freigelegten Grundmauern der Lateinschule, die zu den ältesten Spuren der historischen Stadt zählen. Die Petrikirche stand daneben – Gras wächst drüber. Trotzdem mag hier niemand verweilen. Weil man das eigene Wort kaum versteht, so laut tost der Verkehr an der sechsspurigen Getraudenstraße.

Der Petriplatz ist schon lange kein Platz mehr, und seit das Bauministerium der DDR abgerissen ist, klafft eine Lücke auch an der nördlichen Platzkante. Um den Plattenbau ist es nicht schade, zumal die Zerstörung des Petriplatzes viel früher begann: 1960 mit dem Abriss der Petrikirche und dem autogerechten Ausbau der Gertraudenstraße. Dadurch wurde die Straße breiter und verlor den sanften Bogen, in dem sie den Petriplatz zuvor umkurvte. Dieser verlor dadurch auch seine historische tropfenförmige Gestalt.

Die Gertraudenstraße ist eine Schneise, die keine Rücksicht nimmt auf den Petriplatz. So wenig wie die austauschbare Investorenarchitektur an dessen südlichem Rand. Ein Gefühl dafür, dass hier Berlins Geschichte begann, kommt nicht auf. Dabei gruben die Archäologen am Petriplatz den bisher ältesten von einem Berliner gezimmerten Balken aus. Dessen Datierung um 1212 fügte ganz beiläufig der 775-jährigen Geschichte der Stadt ein paar Jahrzehnte hinzu – gefeiert wird das eigentlich korrekturbedürftige Jubiläum dennoch in diesem Jahr.

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Platz da! am Hansaplatz
Platz da! am Hansaplatz

Wenig ist bisher von Berlins früher Geschichte bekannt. Doch sicher ist, der Petriplatz auf der Spreeinsel war zusammen mit dem „Markt“ jenseits der Mühlenbrücke im Nikolaiviertel eines der zwei Zentren der Doppelstadt Cölln-Berlin. Geschäftig war die Stadt hier, und dicht bebaute Häuserzeilen entstanden an den beiden wichtigsten Achsen der Spreeinsel: der Breiten Straße, die vom Petriplatz zum Schloss führte und der parallel verlaufenden Brüderstraße.

Wie klein die Parzellen in diesem historischen Stadtkern waren, lässt sich noch anhand des Galgenhauses an der Brüderstraße erahnen. Dass dieser Maßstab verloren ist für die Entwicklung der Stadt, zeigen die Pläne für die Neubauten im Umfeld des Petriplatzes. Zwar erklärt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, dass der „Petriplatz in seiner historischen Kontur als Stadtplatz wieder entstehen“ soll. Doch die Blöcke an der Breiten Straße werden sich eher an den umgebenden Nachwendebauten orientieren. Immerhin ist es der erklärte Wille vor Rot-Schwarz, dass „in den geplanten Neubauten an den Schmalseiten des Platzes die archäologisch erkundeten Grundmauern von Alt-Cölln in die Gestaltung einbezogen und zugänglich gemacht werden“.

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