Platz da! : Folge 7: Innsbrucker Platz

Kraftfahrer haben am Innsbrucker Platz Vorfahrt – dank der Planung zur „autogerechten Stadt“. Unter die Räder kamen die Belange der Fußgänger. Besserung? Dazu fällt selbst dem Bezirk wenig ein.

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Am U-Bahnhof Innsbrucker Platz rollt der Verkehr. Von Nord nach Süd, von West nach Ost - über den Innsbrucker Platz müssen fast alle. Die A100 führt unter dem Platz hindurch und verbindet Halensee mit Neukölln. Ebenso wichtig für motorisierte Pendler ist die Hauptstraße, die den Innsbrucker Platz von Nord nach Süd durchschneidet: Sie verbindet die Villen- und Reihenhausviertel im grünen Südwester der Stadt mit den Geschäfts- und Büroadressen im Zentrum.Alle Bilder anzeigen
Foto: Thilo Rückeis
10.05.2012 11:19Am U-Bahnhof Innsbrucker Platz rollt der Verkehr. Von Nord nach Süd, von West nach Ost - über den Innsbrucker Platz müssen fast...

Ist der Innsbrucker Platz noch zu retten? Sibyll Klotz (Grüne), Bezirksstadträtin für Stadtentwicklung, sonst selten um eine Antwort verlegen, zögert: „Vielleicht kann man die Situation für Fußgänger und Fahrradfahrer erträglicher machen.“ Am Innsbrucker Platz sei aber nun einmal „in alle Richtungen Verkehr“. Sogar am nordwestlichen Rand des Kreisverkehrs, wo es ein Eiscafé gibt, Bänke und den Eingang zur U-Bahn – sogar da wurden einige der Schatten spendenden Bäume einfach umgefahren.

Dass nicht einmal eine grüne Stadträtin für Stadtentwicklung noch in der Lage ist, den Verkehr am Innsbrucker Platz wenigstens wegzudenken, das macht das Dilemma dieses Ortes am südlichen Rand des Ortsteils Schöneberg deutlich. 

Der Hauptstraße eine Spur wegnehmen, um den Verkehr zu entschleunigen? Nicht dran zu denken – und schon gar nicht, die Autobahnzufahrt zu verlegen. Der Innsbrucker Platz ist zu wichtig: für die Verteilung des Autoverkehrs von Nord nach Süd und von Ost nach West.

Platz da! Die Leserdebatte zu Berliner Stadtplätzen
In dieser Bildergalerie zeigen wir Ihnen die 15 Berliner Stadtplätze, die wir mit Ihrer Hilfe und mit Unterstützung durch Berliner Landschaftsarchitekten verbessern wollen. Machen Sie mit! Im Bild sehen Sie als Erstes - samt der berühmten Spiegelwand - den Hermann-Ehlers-Platz in Steglitz, den wir noch hinzufügen und dafür den Breitenbachplatz herausnehmen. Liebe Leserinnen, liebe Leser, klicken Sie hier, um zu kommentieren, zu kritisieren und Verbesserungsvorschläge für den Hermann-Ehlers-Platz zu machen. Wir wünschen eine spannende Debatte! Und falls Sie selbst historische und/oder aktuelle Bilder von den Plätzen veröffentlichen wollen: Schicken Sie die Fotos per Email an: leserbilder@tagesspiegel.de Kennwort: "Berliner Plätze".Weitere Bilder anzeigen
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13.03.2012 14:07In dieser Bildergalerie zeigen wir Ihnen die 15 Berliner Stadtplätze, die wir mit Ihrer Hilfe und mit Unterstützung durch Berliner...

Nicht nur Autobahn und Hauptstraßen, auch S- und U-Bahn kreuzen sich hier. Man steigt um, wechselt die Spur oder die Richtung. Wer will sich schon aufhalten an einer lärmenden Kreuzung, über die alle nur hinwegeilen? An diesem Morgen nur ein Pärchen Ende 40, dunkel gekleidet, in sich versunken, er mit einer Flasche Hochprozentigem in der Rechten. Ein paar Meter weiter, vor dem Kiosk, sitzt die Belegschaft auf Caféhausstühlen und wartet auf Kundschaft. Lebendige Kiezkultur geht anders – und die Anwohner beschweren sich immer wieder darüber, dass so viel Müll herumliegt.

In der angrenzenden Hauptstraße stehen zahlreiche Geschäfte leer in den Erdgeschossen der Häuserzeilen. Einige versuchen mit Witz und Dumpingpreisen Kundschaft anzulocken: „Hair-tie“ heißt ein Friseursalon nördlich des Platzes, der preiswerte Haarschnitte anbietet. Ein gut sortiertes Kaufhaus gibt es hier schon lange nicht mehr. Eine Filiale der Berliner Bank ist da und eine Apotheke. Außerdem ist die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Degewo stolz auf das geschichtsträchtige Gebäude, das sie hier besitzt. Es sei der erste Wohnturm Berlins, errichtet im Jahr 1926, von Paul Mebes und Paul Emmerich – und damals von der Architekturkritik gefeiert.

Die Degewo meldet für die 183 Wohnungen im Wohnturm und in den umgebenden Blöcken Vollvermietung, von renovierungsbedingtem Leerstand bei Mieterwechsel abgesehen. „Die Mieter schätzen die verkehrsgünstige Lage“, sagt Sprecher Lutz Ackermann. Und sie bezahlen auch ordentlich: 5,70 Euro pro Quadratmeter und Monat netto kalt, das liegt fast zehn Prozent über dem Durchschnittswert des Mietspiegels.

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