Platzda! : Folge 12: Der Kurt-Schumacher-Platz

Ein paar Spaliere, einige Rabatten, vier Brunnen - und doch findet sich am Kurt-Schumacher-Platz kein ruhiges Eckchen. Das ist gleichzeitig sein Plus. Hierher kommt man wegen des Landebetriebs – noch.

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Zu wenig Sitzmöglichkeiten, zu viel Lärm: Am Kurt-Schumacher-Platz hat man wenig Anlass, zu verweilen.Alle Bilder anzeigen
Foto: Doris Spiekermann-Klaas
29.05.2012 15:11Zu wenig Sitzmöglichkeiten, zu viel Lärm: Am Kurt-Schumacher-Platz hat man wenig Anlass, zu verweilen.

Einladend ist sie nicht, die Kreuzung von Kurt-Schumacher-Damm, Scharnweber- und Ollenhauerstraße, die sich Kurt-Schumacher-Platz nennt. Optisch mag kein Piazza-Feeling aufkommen, akustisch erst recht nicht: Das unablässige Brausen der Autos wird alle paar Minuten vom Dröhnen der in Tegel landenden Flugzeuge unterbrochen.

Nicht alle klagen über den Fluglärm. Das Parkdeck des 1988 eröffneten Einkaufszentrums „Der Clou“ bietet einen ungehinderten Blick auf die nördliche Landebahn des Flughafens und ist beliebter Treffpunkt für Flugzeugfans. Seit vier Jahren betreibt Heinz Dulk hier von April bis September den Biergarten „Clou Corner“, über dessen Strandkörbe die Jets zum Greifen nah hinwegbrausen. Viele seiner Gäste kommen, um das zu erleben. Den Flugbetrieb habe er nie als Nachteil empfunden, sagt Dulk und ergänzt, der Straßenlärm sei hier oben auch zwischen den Überflügen kaum zu hören. „Ätzend“ findet er dagegen den Stau am Boden, wenn der Autobahntunnel unter dem Flughafen wieder einmal gesperrt ist und die Autofahrer sich über Umleitungsstrecken quälen.

Claudia Weber ist richtig froh, dass der Flughafen noch nicht geschlossen wird. Ihretwegen könnten die Jets immer weiter über den Platz dröhnen. „Das gehört einfach hierher“, sagt die Frau, die seit acht Jahren den „Altberliner Imbiss am Kutschi“ betreibt. Die Currywurst zu einszwanzig, jede weitere kostet einen Euro: Die Schlange vor ihrem Kiosk will nicht enden, 80 Prozent der Kunden sind Stammgäste. Leider kümmere sich der Bezirk zu wenig um den Platz, sagt sie. Mangels Müllbehältern landeten die Abfälle immer wieder in den Beeten, die von den Anliegern selbst gereinigt werden. Es gibt zu wenig Sitzmöglichkeiten und zu wenig Blumen. Außerdem hat eine Gruppe von Alkoholikern den Platz zu ihrem Treffpunkt erklärt. Immerhin: Nach vier Jahren ist endlich der Brunnen gleich neben dem Imbiss repariert worden.

Er ist einer von vier identischen Brunnenplastiken der „Clou“-Architekten Sternecker/Starr, die 1989 an den vier Ecken des Platzes aufgestellt wurden: vier auf einem quadratischen Becken stehende, vier Meter hohe Betonsäulen. Sie umgeben Rohre, aus denen ebenso Wasser sprüht wie aus den stählernen Pusteblumen in der Mitte. Im Volksmund heißen die „Wassertempel“, deren Fluss durch Windmesser geregelt wird, „Duschkabinen“.

Eine Erinnerung an den Namensgeber des Platzes, Kurt Schumacher, Sozialdemokrat der ersten Stunde, finden nur Eingeweihte – hinterm Hochbeet mit seiner beschmierten Einfassung, gleich neben der Terrasse eines Restaurants auf der Südwestseite. Das 1970 von Josef Henry Lonas fertiggestellte Denkmal besteht aus einem mit roten Stahlträgern eingefassten Betonblock. Durch Graffiti, Taubenkot und Werbeaufkleber verunziert, sieht er eher aus wie ein Abzugsschacht des darunter liegenden U-Bahn-Tunnels. In zwei Öffnungen befinden sich eine Inschrift und ein Bronzerelief des ersten SPD-Nachkriegsvorsitzenden.

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